Experten Blog

27.09.2010   Dr. Guido Schwegler

MS und Berufswelt

«Herr Doktor, soll ich meinem Arbeitsgeber sagen, dass ich MS habe?»
«Herr Doktor, soll ich im Vorstellungsgespräch über meine MS Auskunft geben?»

Das sind mitunter die häufigsten Fragen in meiner Sprechstunde. Nun, es gibt kein Patentrezept, wie man als MS-Betroffener gegenüber seinem Arbeitgeber auftreten soll. Folgende Faustregel finde ich nützlich. Wenn man sich fit fühlt und man als Aussenstehender nicht sieht, dass man erkrankt ist, behalten Sie diese Information besser für sich. Ihre MS geht nur Sie etwas an. Es ist klar, dass Sie der Pensionskasse gegenüber bei einer Stellenneubesetzung offen über ihre Gesundheit Auskunft geben müssen. Aber diese Informationen sind vertraulich und dürfen dem Arbeitgeber nicht zugetragen werden.

Wenn Sie unglücklicherweise schon stärker durch die MS beeinträchtigt sind, empfehle ich, mit dem Arbeitgeber das Gespräch zu suchen. Meist geht es dabei um die Reduktion des Arbeitspensums oder die Versetzung an eine andere, weniger physisch belastende Position. Viele meiner Patienten, die sich trotz fortgeschrittener MS bis zur Erschöpfung im Beruf aufgerieben haben, berichten über eine massive Verbesserung der Müdigkeit, des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität nach Reduktion des Arbeitspensums. Was Sie aber auf keinen Fall tun dürfen ist, das Arbeitspensum von sich aus zu reduzieren ohne begleitende Krankschreibung. Sonst riskieren Sie eine massive Renteneinbusse. Sprechen Sie in diesem Fall unbedingt zuerst mit Ihrem behandelnden Neurologen und Hausarzt. Der wird Sie entsprechend der gesundheitlichen Probleme krankschreiben und IV-Massnahmen einleiten, wenn absehbar ist, dass sich das Arbeitspensum bleibend reduzieren wird. Mit der 2. Säule werden Sie in diesen Fällen genug abgesichert sein, so dass Sie finanziell gut über die Runden kommen sollten.

Am meisten Probleme gibt es bei sehr jungen MS-Betroffenen ohne 2. Säule und bereits behindernden neurologischen Problemen. Da ist guter Rat teuer. Deshalb ist es umso wichtiger, die Krankheit schon im frühesten Stadium zu behandeln, damit dieser Fall möglichst nicht eintritt. Entsprechende Medikamente stehen ja heute zur Verfügung, womit auch sehr aktiv verlaufende Erkrankungen wirksam behandelt werden können.

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