Lunea Blog

18.08.2015
von Andrea

Aus Feuer geboren, durch Eis geformt

Mit den Begriffen Feuer und Eis wird Island oft bezeichnet – eine Insel voll von geologischen Extremen.

Im Mai dieses Jahres habe ich zum ersten Mal meine Füsse auf diese Insel gesetzt. Sie hat mich sofort von ihrer Schönheit und ihrer Vielfältigkeit überzeugt.

Innerhalb einer Woche haben wir mit dem gemieteten Auto die Insel umfahren. Jeden Tag haben wir neu gestaunt und waren überwältigt von dem, was die Insel von sich Preis gibt. Seien es heisse dampfende Quellen, ein schlafender Vulkan, Schwefel der aus dem Boden raucht... der Geysir, der ca. alle 15 Minuten etwa 20 Meter hoch in den Himmel schiesst... Es gäbe so vieles von Island zu berichten. Aber es wäre niemals möglich, es so wiederzugeben, wie es in Wirklichkeit ist.

Island liess mich innehalten, abschalten, entspannen und an nichts Negatives und Belastendes denken. Unbeschreiblich und unglaublich atemberaubend SCHÖN!

Ich erkenne an dieser Insel mit ihren Extremen Parallelen zu unserem menschlichen Leben. Aus Feuer geboren, durch Eis geformt - auch wir werden durch unsere Schicksale geformt. Dennoch kann ich für mich sagen, jedes noch so schwere und einschneidende Erlebnis konnte das Feuer in mir nicht löschen. Feuer und Eis: Meiner Meinung nach kann unser Leben genauso – wie Island – bezeichnet werden.

Im September fliegen wir nochmals hin! 

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25.05.2015
von Andrea

Diät – warum?

Bis zum meinem 30. Lebensjahr oder eher gesagt bis zur ersten Kortisontherapie war ich spindeldürr. Und zwar so richtig dürr. Ich wog bei 167 cm gerade mal 47kg. Damals trank ich jeden Tag einen Proteinshake mit Vollmilch, um mein Gewicht halten zu können und nicht noch leichter zu werden. Ich habe zwar normal gegessen und daher nie Probleme mit dem Essen, aber irgendwie setzte das Gewicht bei mir nie wirklich an. Damals habe ich mir gewünscht, zumindest 5kg mehr zu wiegen.

Mit der ersten Kortisontherapie änderte sich mein Gewichtsproblem auf einen Schlag. Neben dem angesammelten Wasser unter den Kniescheiben hatte ich zudem die tolle Nebenwirkung HUNGER. Ich habe innerhalb von zwei Wochen 8kg zugenommen. Heute bin ich zufrieden mit meinen 57kg und muss eher aufpassen, dass ich nicht zunehme.

Als ich die MS-Diagnose erhalten hatte, überlegte ich mir, ob ich meine Ernährung umstellen und mehr darauf achten sollte, mich gesünder zu ernähren. Ich habe das Ganze aber zügig über Bord geworfen... denn ich esse zu gern und trinke gerne zum Abendessen ein Glas Rotwein. Es ist mir klar – Gesundes kann auch gut sein. Aber explizit eine Diät aufgrund meiner Erkrankung? Nein. Das kommt für mich nicht in Fragen. Ich will gerade aufgrund meiner Erkrankung mein Leben in vollen Zügen geniessen und spontan sein können – auch beim Essen.

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04.07.2014
von Christian Rusterholz

Tourbericht von Markus Seifert

Markus Seifert, der neu im Team von «Grenzen überschreiten» ist, war zum ersten Mal auf der Tour mit von der Partie und erinnert sich gerne an die fast 600 zurückgelegten Kilometer zurück.

«Es sind etwa 500 bis 600 Kilometer innerhalb von acht Tagen. Diese Angaben zu einer Velotour hätten mich noch vor fünf Jahren nicht wirklich erschreckt. Doch als mir Christian Rusterholz bei der Reha davon erzählte, war ich doch etwas beeindruckt. Denn im Januar 2014 fühlte ich mich alles andere als fit dafür. Die MS, die sich vor 18 Jahren ungebeten und polternd in mein Leben eingemischt hatte, schränkte mich auch in sportlicher Hinsicht seit Herbst 2013 zunehmend ein. Irgendwie liess mich aber Christians Engagement für sein Projekt „Grenzen überschreiten“ www.grenzen-ueberschreiten.ch nicht mehr los.
Einige Wochen und viele Therapiestunden in Valens später, reifte mein Entschluss an der Tour 2014 teilzunehmen. In der Reha hatte ich nämlich grosse Fortschritte gemacht. Die Zusage war zugleich Verpflichtung, das Training weiterzuführen und zu intensivieren. Die fünf Etappen auf Schweizer Boden (Oerlikon-Frauenfeld-St. Margrethen-Bad Ragaz-Schmerikon-Zürich) waren ohne Vorbereitung kaum zu schaffen.
Als es dann am 28. Mai (Welt-MS-Tag) soweit war, startete ich trotzdem mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen. Der medizinische Check in Valens stimmte mich zwar zuversichtlich, aber ich wusste nicht, wie mein Körper auf längere Belastungen reagieren würde.
Nun, nach Abschluss der Tour bin ich stolz auf meine Leistung und die meiner neun Mitstreiter des Kernteams. Alle fünf Tagesetappen in der Schweiz gemeistert, Wind und Regen getrotzt. Alleine hätte ich wohl aufgegeben. Im Team habe ich Grenzen zwar nicht überschritten, aber hinausgeschoben. Dies alles unter „strengem“ Blick der mitfahrenden Sportwissenschaftlerin aus Valens. Sie hat uns MS-Patienten konsequent auf den Puls geschaut und sich nach unserem Befinden erkundigt. Und wenn es trainingstechnisch nötig war, hat sie uns auch mal mit „sanftem Druck“ und Charme für eine Zusatzrunde über einen kleinen Pass motiviert. Der Anstieg auf den Kerenzerberg war happig, das Gefühl auf der Passhöhe unbeschreiblich gut. Die Auswertung der medizinischen Daten wird das bestätigen, was wir Teilnehmer schon wissen: Sport ist (die beste) Medizin, auch für MS-Betroffene!
Der herzliche Empfang im Zielgelände – nach einer Fahrt durch Zürich mit vielen Freunden, Angehörigen und Unterstützern – war mehr als bloss Entschädigung für die Anstrengungen. Wahrscheinlich war ich nicht der einzige mit einer Gänsehaut.
Was bleibt sind gute Erinnerungen, neue Freunde und grosser Respekt vor der Leistung der einzelnen Teilnehmer. Und das Gefühl etwas für einen guten Zweck geschafft zu haben: Nichts Grosse und nichts Aussergewöhnliches – aber auch die längste Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Vielleicht bringt 2015 eine Fortsetzung...»

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04.07.2014
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten 2014

Nach der Tour 2013 war ich leider stark erkältet und meine gute Form war schnell dahin. Ein Infekt der Stirnhöhle hat mich sehr zurückgeworfen. Somit war ich nach der Tour sogar auf einem tieferen konditionellen Niveau als vor der Tour. Der Kraftzuwachs war zwar spürbar, aber ich fühlte mich sehr matt.
Im Januar ging es dann wieder nach Valens und ich war vier Wochen intensiv am Training. Ich spürte, dass die Kraft und die Beweglichkeit von Tag zu Tag zurück kehrten. Im Speisesaal und in den Trainingsräumen kam ich mit anderen MS Patienten in Kontakt. Ich erzählte von unserer Tour und sie waren so sehr begeistert, dass sie an einer Teilnahme interessiert waren. Während der Zeit in Valens entschloss ich mich, die Basistherapie zu unterbrechen. Die Anfälligkeit auf Infekte hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verstärkt und jede Grippe hinterliess grosse Beeinträchtigungen.
Zurück von der Reha versuchte ich die gute Verfassung zu halten. Infolge der Witterung (oder war es nur eine willkommene Ausrede?) fiel die eine oder andere Velotour ins Wasser. Mit nur etwa 400 km Vorbereitung in den Beinen, starteten wir an der Auffahrt zur Rundfahrt in Frankfurt und dann an den folgenden Tagen bis nach Heidelberg. Klugerweise hatte ich mich fürs E-Bike entschieden. Die Tagesetappen von über 80 km wären zu viel gewesen.
Ich brauchte beim Aufsteigen aufs Gefährt jeweils Hilfe. Das Vorgehen spielte sich schnell ein. Velo hinlegen, mit Hilfe über den Rahmen steigen, Velo aufstellen, linkes Bein selbst auf die Pedalen und dann mit Hilfe das rechte Bein auf die Pedale und in die Klick rein. Zum Fahren ging es dann sehr gut; nur beim Stoppen brauchte ich immer einen Ampelpfosten oder einen Laternenpfahl, da ich nicht aus den Klickpedalen kam. Das funktionierte die ganze Tour ohne grössere Probleme, verursachte aber manchmal eine gewisse Hektik…
Während der Tour hielten wir in Heidelberg, Frauenfeld und Bad Ragaz jeweils eine Vortragsreihe zum Thema „MS und Bewegung“. Die Vortragsabende waren immer gut besucht, inhaltlich sehr spannend und ein voller Erfolg.
In der Schweiz waren fünf Etappen geplant. Es ging von Tag zu Tag besser, aber ich entschied mich immer für das E-Bike. So konnte ich das Tempo in der Gruppe mithalten. Am letzten Tag gelang es mir dann ganz alleine aufs Velo zu steigen. Ein kleiner Triumph, den ich, wie auch die Zielankunft in Zürich, sehr genossen habe.
Das Thema Tour 2015 war ab Mitte der diesjährigen Rundfahrt ein Dauerthema! Sofern mich meine Mitfahrer auch nächstes Jahr auf irgendeine Art aufs Velo bringen, gibt es eine Neuauflage.
Ein riesiges Dankschön an alle Mitfahrer, die mir jeden Tag geholfen haben, die Etappen zu meistern, sei es beim Aufsteigen, in den Bergen, mit etwas Schieben oder einfach gut Zureden und motivieren. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft!
Route und Teilnehmer sind noch völlig offen. Ich freue auf die kommenden Herausforderungen…

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30.04.2014
von Andrea

Ganz oder gar nicht

Ich achte ab und zu darauf, wie Heiko mich anschaut und beobachtet. Ich glaube, dass er sich teilweise nicht bewusst ist, dass ich das merke und mache mir ab und zu auch etwas Sorgen um ihn....belastet ihn meine Krankheit doch mehr als ich denke –oder als dass er denkt? Sollte ich mir mehr Gedanken auch um ihn machen? Vielleicht? Ich weiss es nicht und denke wahrscheinlich auch zu wenig  darüber nach. Andersrum...denke ich auch, dass er das auch nicht möchte und sich dann Gedanken machen würde, dass ich mich zu sehr damit beschäftigte und belaste. Bin ich in dieser Sache trotz allem zu egoistisch? 

Die Unterstützung von ihm ist nicht selbstverständlich – dies wird mir immer wieder von anderen Menschen gesagt und man ist immer sehr erstaunt, dass er mich so blind und bedingungslos liebt und mir immer beiseite steht. Ich selbst sehe es so, dass ich ihm genauso helfen und ihn unterstützen würde, sollte ihm etwas passieren – es ist für mich klar – wenn man liebt nur ganz oder gar nicht.

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27.01.2014
von Andrea

Diät

Die Wochen vor Weihnachten waren für mich sehr anstrengend. Ich hatte viel Arbeit, eine Steissbeinentzündung und war einfach etwas angeschlagen. Es schien so, als würden sich die Belastungen des gesamten Jahres sammeln und sich auf meinen Schultern niederlassen. Ich fühlte mich allgemein nicht so ganz fit, was wahrscheinlich, wie fast bei allen Menschen dazu führt, dass man etwas dünnhäutiger und weniger belastbar ist. Ich nervte mich ab vielem sehr viel schneller und war zügig in Rage.
Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich normalerweise eine taffe Persönlichkeit bin und einen schweren Rucksack tragen kann, ohne dass mir dieser von den Schultern fällt. So war ich doch sehr von mir selbst überrascht, als mein Nervenkostüm am Mittwoch vor Beginn der Weihnachtsferien plötzlich und unaufhaltsam riss, in einem Moment, welchen ich im Normalfall ohne Blessuren überstanden hätte. Ich konnte meine Nerven nicht mehr bändigen und brach in Tränen aus. Dieser Zustand liess sich meinerseits nicht mehr stoppen und ich ging von der Arbeit nach Hause und heulte dort unaufhaltsam weiter – ich war nicht im Stande das Weinen zu stoppen, ohne dass ich wirklich wusste was los und was wirklich der Grund für diesen Ausbruch war. Meine Mami hat mich dann aufgeklärt – ich hatte wohl einen kleinen Nervenzusammenbruch.
Mir war oder eher gesagt ist die ganze Situation unangenehm und ich komme mir irgendwie doof vor. Im Endeffekt war es wohl wieder einmal ein Zeichen meines Körpers der mir sagte, dass ich wohl nicht über alles bestimmen kann, und sich die mir selbst zugefügten Überlastungen irgendwann rächen werden. Und zwar so, dass man diese spontan und mit der ganzen Breitseite her zu spüren bekommt.
Wenn das Nervenkostüm zu klein ist reisst es oftmals unweigerlich – wie bei einem normalen Kleid. Nimmt man zu und will das eine Kleid, welches einem doch so gut gestanden hat – vor 5 Jahren – anprobieren und sich gnadenlos versucht reinzuzwängen, so kann es passieren, dass ein oder mehrere Nähte reissen. In diesem Falle ist wohl eine Diät angesagt – die Nähte lassen sich dann wieder schliessen und das Kleid passt wieder.

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09.12.2013
von Andrea

Da geht mir doch ein Licht auf

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich bis ca. 22-jährig sehr aufgeschlossen und mutig war. Selbstsicher und ich habe mein Leben genossen. Dann, mit ca. 22 Jahren, begann ich mich zu verändern. Früher habe ich immer behauptet es hing damit zusammen, dass ich mit ca. 21 Jahren wegen Endometriose operiert worden sei. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich ab dem Zeitpunkt mein Leben komplett verändert hat.

Ich hatte plötzlich das Gefühl, das mir ständig schwindelig war und ich gleich ohnmächtig würde. Ich ging zum Arzt und er meinte: «Naja, Sie sind halt eine junge Frau, da hat man das öfter, tiefer Blutdruck und so.» Ok. Da ass ich also Nüsse, Schoggi, Früchte usw. um meinen Kreislauf bei Schwung zu halten. Trotzdem, ich fühlte mich zunehmend unsicherer in meiner Haut und zog mich immer mehr zurück. Nicht einmal Essen gehen war mit der Zeit möglich. Ich hatte Panikattacken und mein Herz fing bei jedem Versuch an zu rasen. Ich entwickelte eine Agoraphobie vom Feinsten und fühlte mich in meinen eigenen vier Wänden am wohlsten. Völlig isoliert. Klar, ich ging weiterhin arbeiten aber kaum war ein Meeting oder ein Mitarbeiterevent angesetzt, war dies ein riesen Problem für mich. Meine Panikattacken stellten sich auch meist schon vor dem eigentlichen Ereignis ein. Ich war der festen Überzeugung, dass ich ein psychisches Problem hatte und suchte einen Psychiater auf. Ich war verzweifelt, trotzdem ich mich bemühte, mir gut bei zu reden und zu sagen, dass es sich einfach «nur» um ein psychisches Problem handelt. Teilweise wusste ich nimmer weiter und wollte nix mehr wissen.

Dann kam meine Diagnose MS – mir ging regelrecht ein Licht auf! Heute lassen sich mein Schwindel und mein teilweise schlechtes Sehvermögen in den vergangenen acht Jahren, in denen ich mich isolierte und das Leben nicht mehr genoss, erklären. Ab dem Tag meiner Diagnose war meine Unsicherheit weg. Heute bin ich wieder selbstsicher, geh in den Ausgang und geniesse mein Leben in vollen Zügen. Ich weiss ja jetzt, was der Grund für meine Macken ist und ich kann damit gut umgehen.

Mein Beispiel zeigt einmal mehr, dass sich die MS meist erst nach mehreren Jahren nach der eigentlichen Erkrankung zu erkennen gibt und sie nicht ohne Grund „die Krankheit mit 1000 Gesichtern“ genannt wird.

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04.09.2013
von Heiko

Multiple Sklerose – Aus der Sicht eines Angehörigen

Die Diagnose traf mich frontal und eiskalt. Was ist MS? Muskelschwund? Falsch gedacht! Da gerade ein Ärztekongress stattfand, war unser Arzt leider nicht verfügbar um uns mehr über die Diagnose MS zu erklären. Super. Was jetzt? Mir war es egal, es gibt so viele Ärzte, einer muss sich jetzt Zeit nehmen. Mein Job, Nebensache. Ich nehme mir Zeit für meine Freundin.

Dann endlich der Termin, 2 Tage nach der niederschmetternden Diagnose. Eine Allgemeinärztin erklärt uns die Krankheit Multiple Sklerose. Wir haben selbstverständlich den Fehler gemacht und im vornherein im Internet nachgelesen.

Erschreckend was man dort lesen muss. Da kann man echt nur Mitleid mit den Menschen haben. Die Ärztin hat uns ein wenig die Angst genommen. Internet meiden wir seitdem.

Wie macht es meine Freundin? Meiner Meinung nach sehr gut. Ich bin sehr stolz auf sie. Ein unheilbar kranker Mensch – trotzdem jeden Tag gut gelaunt und positiv eingestellt. Jammern gibt es nicht. Es gibt Tage an denen es ihr nicht so gut geht, dann versuche ich sie aufzufangen. Über ihre Krankheit zu sprechen, fällt ihr noch etwas schwer, aber auch das wird sie verbessern können.

Wie gehe ich damit um? Keine Ahnung! Ich versuche ihr jeden Wunsch zu erfüllen, sofern es mir möglich ist. Ich liebe sie mehr als alles andere und wünsche mir, dass es ihr trotz ihrer Krankheit gut geht. Anfangs habe ich sie mehrmals am Tag gefragt wie es ihr geht. Heute möchte ich sie einfach nicht mit meinen Sorgen nerven. Ich versuche in ihrem Gesicht, an ihrem Verhalten zu erkennen ob alles in „Ordnung“ ist. Grösstenteils gelingt es mir. Leider bin ich in letzter Zeit eher schlecht gelaunt und dies bekommt auch meine Freundin zu spüren, wenn auch unbeabsichtigt. Wenn ich es dann wieder mal selbst merke, habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Warum meine Laune schlecht ist, weiss ich leider selbst nicht. Ich bin gesund, habe eine Arbeit die Spass macht, habe eine tolle Partnerin an meiner Seite, mit der ich bis an unser Lebensende zusammenbleiben will und es fehlt uns an nichts. Warum jammere ich also?! Ich arbeite daran, ich gebe mir Mühe.

Ich habe mich noch NIE mit irgendwelchen Krankheiten beschäftigt. Warum auch? Mir egal, mich trifft es ja sowieso nicht. So denkt man zumindest bzw. man hofft es. Jetzt denke ich anders. Meine Sicht auf „Probleme“ hat sich geändert. Ich lebe jeden Tag anders als vorher. Plötzlich liebe ich die Natur, die Berge, den Frühling..... klingt bescheuert, aber es ist so. Ich geniesse meine Freundin anders als vorher. Wir können über alles sprechen, sie ist meine Partnerin und meine beste Freundin. Unsere Beziehung hat eine andere Dimension erreicht, sofern man das so bezeichnen kann. Noch nie hatte ich solche Gefühle für einen Menschen.

Was bringt die Zukunft? Keine Ahnung, aber wir werden es zusammen erleben, egal was passiert. Das ist meine Sicht.

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18.06.2013
von Andrea

In die Schranken gewiesen

Da ich viel Zeit brauchte, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, habe ich seit längerem nicht mehr geschrieben. Ich wollte mich nicht mit der MS befassen. Die letzten paar Wochen benötigte ich meine ganze Konzentration für den Umzug (28. Mai 2013) und dessen Planung.

Jetzt sind wir drin – in unserem Häuschen. Noch immer haben wir natürlich allerhand zu tun und wollen alles am liebsten sofort erledigen. Sei es den Garten nach unseren Vorstellungen umzugestalten oder die noch fehlenden Leisten des tollen Laminats zu montieren usw. Wenn ich könnte, würde ich alles miteinander erledigen ;-). Aber da gibt es jemanden, den das wohl etwas stört und der mir regelmässig «drein pfuscht». Während des Umzuges und der Renovation des Hauses musste ich oftmals einkassieren und wurde regelmässig von der MS in die Schranken gewiesen, mit bleibender Erschöpfung – aber es ging eigentlich noch «rächt» gut. Nach dem Umzug allerdings kriegte ich von ihr eins auf den Deckel. Meine Zungenspitze, der vordere Teil des Gaumens und die Oberlippe kribbeln nun seit bald 2 Wochen. Die Müdigkeit zeigt sich im Moment auch ziemlich von ihrer hartnäckigen und anhänglichen Seite und lässt mich dadurch viel mehr pausieren, als ich will.

Sicher, mir geht es im Vergleich zu vielen anderen Betroffenen sagenhaft gut und ich kassiere bisher nur Bonsaischübe – trotz meiner eigentlich aggressiv diagnostizierten MS. Trotzdem – ich mag es nicht, wenn ich in die Schranken gewiesen werde. Aber es ist wohl nötig, denn ab und zu vergesse ich fast, dass ich krank bin.

Jetzt mit dem kleinen Garten kann ich endlich wieder werkeln und so viel wie möglich mit meiner Familie im Garten sitzen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen ;-). Die Arbeit im Garten ist nebst meiner beruflichen Tätigkeit eine meiner liebsten Beschäftigungen, welche ich in den vergangenen acht Jahren aufgrund des fehlenden Gartens nicht mehr nachgehen konnte. Klar, dass ich jetzt am liebsten stundenlang im Dreck wühlen und Blumen pflanzen möchte. Auch wenn ich keine gläubige Christin bin, bitte ich doch – lass es mich so lange wie nur möglich ausleben und geniessen können. In die Schranken weisen, lasse ich mich danach noch so gerne.

 

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24.04.2013
von Christian Rusterholz

Wieder ist ein Jahr vorbei... und die Tour 2013 rückt näher

Nach den letztjährigen Touren (2010: Dänemark – Zürich, 2011: Amsterdam – Zürich, 2012: Frankfurt – Zürich) war sich das Team von «Grenzen überschreiten» einig, dass es auch im 2013 eine Fortsetzung geben wird. Schnell war unserem Kernteam klar, dass die Tour von 2013 wieder in Frankfurt am Main starten und traditionsgemäss am Pfingstsonntag in Zürich Wollishofen bei der KIBAG enden wird. Den Start haben wir bewusst so gewählt, um unsere treuen Freunde am Main in die Tour einbinden zu können. So bildet dann auch eine Stadtrundfahrt in Frankfurt den Startschuss für die diesjährige Tour.

Die darauf folgenden 5 Tage werden wir dem Rhein bis Offenburg folgen und als Novum mit der Bahn von Offenburg nach Bern übersetzen, wo es im Anschluss wieder mit Velo und Inlineskates durch das Schweizer Mittelland nach Zürich geht. Bei der KIBAG werden wir auf die überschrittenen Grenzen 2013 bei einem Apéro anstossen.

Wie schon im letzten Jahr fahren wir wiederum zugunsten der Stiftung «Kliniken Valens». Der gesamte Spendenerlös (siehe auch http://www.grenzen-überschreiten.ch/2013/Sponsoring.html) wird entsprechend der Statuten nur für MS-Patienten eingesetzt, deren Krankenkassen notwendige Therapien nicht übernehmen und die sich nicht in der finanziellen Lage befinden, diese aus eigener Tasche zu bezahlen.

Als absolutes Highlight der Tour 2013 werden an MS-Erkrankte Teilnehmer an einer, von den Kliniken Valens lancierten Studie teilnehmen. Darin soll aufgezeigt werden, wie sich eine körperliche Langzeitbelastung bei MS-Patienten auf deren körperliche Verfassung auswirkt. Vor, während und nach der Tour, werden von einem Sporttherapeuten Kraftmessungen und Leistungsdaten erfasst und ausgewertet. Wir sind alle auf die Resultate gespannt.

Doch wie ist es mir nach der letztjährigen Tour ergangen? Nach einer Woche Erholungspause, blieb ich - anders als in den vergangenen Jahren - aktiv und war oft auf dem Fahrrad anzutreffen, bis mich im Oktober ein kleiner Schub, bei dem sich mein Gangbild zunehmend verschlechterte, vom Fahrrad holte. Wenn ich mich doch zusammenraufte, um Sport zu treiben, fehlten mir oft Motivation und Kondition.

Auf eine Empfehlung hin begab ich mich auf eine Badekur in Banjia Trepca, Serbien. 12 Tage Baden und intensive Physiotherapie liessen mich erholt und mit neuen Kräften im November zurückkehren. Leider war die Nachhaltigkeit nur geringfügig. Eine starke Grippe an Weihnachten und ein weiterer Schub beförderten mich ins Krankenhaus und in den Rollstuhl. Um letzteren wieder los zu werden, schliesslich gebe ich so schnell nicht auf, trainierte ich wie ein Besessener und die ersten Erfolge zeichneten sich ab. So konnte ich dann auch meine Reha in Valens im Januar 2013 ohne Rollstuhl antreten. Die dreiwöchige Kur war hart. Das Ärzte- und Therapeutenteam hatte mir ein sehr anstrengendes aber umfassendes und wirkungsvolles Programm zusammengestellt. Dies beinhaltete auch eine Studie an der Kletterwand und ich genoss das Erfolgserlebnis wieder einmal den Gipfel erreicht zu haben, auch wenn es nur 7 Meter waren.

Nach der Reha war die Basis gelegt und seit dem nutze ich diese Grundlage um weiter aufzubauen und die letzten Wochen effizient zu nutzen.
So rolle ich nun – sitze ich einmal auf dem Fahrrad – tadellos. Wenn nur das Auf- und Absteigen nicht wäre. Die Klickpedale helfen mir mein schwaches rechtes Bein zu führen. So muss ich halt mit Links etwas mehr leisten. Nach den Ausfahrten, sofern dieser lange Winter eine Ausfahrt erlaubt, bin ich jeweils dermassen erschöpft, dass mir die Kraft fehlt elegant vom Rad zu steigen. Ich meistere jedoch die Herausforderung nicht auf die Nase zu fallen mit jeder Ausfahrt besser.

Die Vorfreude ist gross und wir freuen uns auf alle Begleiter, sei es auf dem Fahrrad oder den Inlineskates, auf der gesamten Tour oder nur auf einer oder mehreren Etappen. Jeder ist herzlich Willkommen! Auf unserer Homepage www.grenzen-überschreiten.ch, die während der Tour täglich aktualisiert wird, finden Sie detaillierte Informationen zur Tour, den Etappen und es bietet sich Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit uns virtuell zu begleiten.

Dabei sein ist alles! Gemeinsam gegen MS!

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