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31.01.2011   Nathalie

Kinderwunsch und MS, ein Lebenstraum?

Ich war 21, als die MS in mein Leben trat. Jung und voller Hoffnung stand ich mitten im Leben mit der Vorstellung, dass alles für mich möglich war. Durch die Diagnose hatte ich den Eindruck, beim Russischen Roulette verloren zu haben. Die Krankheit traf mich in der Blüte des Lebens auf grausame Art und Weise. Ich, eine junge, erwachsene Frau... war Betroffene wie viele andere auch... Nach einigen Monaten der Depression und der Fragen fühlte ich mich besser und beschloss, wieder fröhlich zu sein und dennoch normal zu leben.

Eines Tages begegnete ich dem Mann, den ich heiratete. Ganz selbstverständlich haben wir uns mit der Kinderfrage auseinandergesetzt. Viele Frauen haben den Wunsch, eine Familie zu gründen, ein Kind zu gebären, es zu lieben sowie mit aller Zärtlichkeit zu umsorgen. Auch ich wünschte Leben zu geben. Ich wollte dieses Glück nicht missen. Aber Eltern zu sein ist ein lebenslanges Engagement. Es ist die allergrösste Verantwortung, und ich muss eingestehen, das machte mir auch Angst.

Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Werde ich nach der Geburt meines Kindes einen Schub erleiden? Könnte mein Kind ebenfalls an der MS erkranken? Wird es mir möglich sein, für mein Kind zu sorgen?

Wer Antworten will, muss Fragen stellen. Darum habe ich meinen Neurologen befragt. Lange Zeit hatte er MS-betroffenen Frauen von einer Schwangerschaft abgeraten. Nach heutigen Erkenntnissen spricht aber nichts mehr gegen eine Schwangerschaft. Und die gute Nachricht: Eine Mehrheit der MS-betroffenen Frauen erleben eine normale, problemlose Schwangerschaft und gebären gesunde Babies.

Die Unvorhersehbarkeit der MS ist schwierig einzukalkulieren, das ist eine Tatsache! Aber sollten wir deshalb aufhören zu leben? Ich habe zwei wundervolle gesunde Kinder geboren. Ich kann für sie sorgen und sie aufziehen wie alle anderen Mütter auch. Glücklicherweise habe ich keinen Rückfall nach der Geburt meiner Kinder gehabt. Meine Tochter habe ich während sieben Monaten und meinen Sohn während drei Monaten gestillt. Nach dem Abstillen habe ich meine Behandlung ganz einfach wieder aufgenommen.

Kinder zu haben war ein Traum. Mein Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Meine Kinder sind die Sonne meines Lebens. Sie helfen mir, vorwärts zu gehen und meine Angst beiseite zu schieben. Ich mag folgendes Zitat: „Lasst den Traum Euer Leben verschlingen, so dass das Leben nicht Euren Traum verschlingt.“ Le Petit Prince von Antoine de St-Exupéry, dem französischen Humanisten und Piloten.

Einem Kind das Leben zu schenken oder nicht ist eine sehr persönliche Frage. Die MS kann diese Entscheidung noch erschweren. Ich hoffe, dass meine Lebensgeschichte Frauen hilft, sich zu entscheiden. Aber es ist auf jeden Fall wichtig, mit dem betreuenden Arzt darüber zu sprechen und ebenfalls mit seinem Lebenspartner, in einer offenen Art und Weise, ohne Tabus. Lassen Sie sich nicht von der MS Ihre Träume durchkreuzen!

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