Lunea Blog

11.03.2011
von Andrea

Ich will gerade Haare und keine Locken

Als Kind war es mir egal, später als Teenie hab ich sie gehasst…meine Locken. Ich liess sie strecken, färbte sie schwarz und schnitt sie auf eine Länge bis zu meinem Kinn. Jetzt: Bin ich zufrieden mit meiner dunkelblonden Lockenmähne und find die sogar lässig. Ich akzeptiere sie voll und ganz ;-)

Aber wer kennt das nicht. Es gibt immer etwas, wo man es anders haben will. Die meisten Dinge kann man verändern und sich so richten, dass es anders ist. Unterdessen sind diese Dinge für mich nicht mehr so hoch zu werten und ich sehe vieles als nicht mehr so tragisch an wie vor 12 Monaten. Andere Dinge allerdings sind einfach nicht änderbar. Egal wie sehr man es sich wünscht oder sich dafür einsetzt. Manchmal macht man die Augen zu und denkt sich einfach…das ist gar nicht so. Es war bzw. ist nur ein blöder Traum. Auch das nützt nur für wenige Minuten. In diesen Minuten merke ich, dass ich noch lange nicht soweit bin und eine riesen Angst vor der Zukunft hab. Teilweise sogar dermassen, dass ich am liebsten von mir selbst davon laufen würde oder aus meiner Haut fahren möchte. Hmmm, mach das mal…funktioniert in der Theorie super…aber sprechen wir nicht von der Praxis. Klappt irgendwie nicht…LACH.

Wahrscheinlich ist das aber auch normal, dass man ab und an einfach Schiss hat und nicht so recht weiss, wie soll ich das packen. Wir sind ja schliesslich Menschen und keine Strichmännchen auf Papier ohne Gefühl.

Ich versuche meine teilweise panische Angst mit meiner positiven Einstellung und schwarzem Humor zu überbieten. Kann sein, dass ich mich manchmal aus lauter Angst auch selber belüge, aber es passt für mich so. Also, liebe Leute: Jeder hat und darf Angst haben, egal vor was. Man muss dazu auch nicht schwerkrank sein wie ich, um dazu zu stehen…JAWOHL. Offen und ehrlich: Ich hab eine Scheissangst vor der Zukunft!

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11.03.2011
von Andrea

"Ihr Kinderwunsch müsste da schon krankhaft sein!"

Auf ein offenes und vielleicht ein etwas radikales Wort:
Jeder Hirni darf, und die meisten davon können, Kinder kriegen. Hirni, deshalb, weil es doch wirklich auch Menschen gibt, bei denen man leise in sich denkt "oha, du hättest das mit den Kindern besser gelassen", um den Kindern einen Gefallen zu tun. So, nun zähle ich uns mal nicht zu diesen Hirnis und habe meinen Neurologen mal gefragt, wie es denn ausschaut mit Kinder bekommen bezüglich meinen Medis. Hmm, vielleicht hätte ich das besser sein lassen. "Bei Ihrer MS sollten Sie die Medis auf keinen Fall absetzen. Es wäre ein grosses Risiko, einen heftigen Schub auszulösen, der sich vielleicht nicht mehr so gut zurückbildet, wie die bisherigen. Also, ihr Kinderwunsch müsste da schon krankhaft sein. Aber adoptieren können sie." WAMMM! Meine zweite Frage war dann "Also wäre ein Hund anschaffen schon besser?" Antwort: "Ja". Nochmals, WAMMM! Gut, wir haben uns erst kurz vor der Diagnose mal damit etwas beschäftigt, ob wir mal Kinder möchten, aber trotzdem. Wenn es einem dann so direkt gesagt wird...aua! Dass man das nicht falsch versteht, ich finde meinen Arzt wirklich super. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass er mir alles ohne Beschönigung sagt und mir immer direkt und sehr ehrlich die Situation an den Kopf knallt. Ich finds gut. Es entspricht meinem Naturell. Aber man hat doch ab und zu an gewissen Aussagen zu knabbern. Wie diese mit den Kindern. Früher wollte ich unbedingt Kinder und hab viel dafür getan, um den Wunsch umzusezten – ohne Erfolg. Man könnte sagen, Gott sei Dank hats damals nicht geklappt. Ich bin unterdessen geschieden und sehr glücklich in meiner Beziehung mit meinem Schatzi. Ich bin mir eigentlich auch sehr sicher, dass wir ohne Kinder ein schönes glückliches Leben haben werden. Aber ab und zu überkommt mich ein Gefühl der Trauer in Bezug auf Kinder. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man von sich aus entscheidet, keine Kidner zu kriegen, oder ob es einem von jemand anderen verboten. NEIN DU NICHT! Ich werde dann öfters mal etwas sentimental und hadere mit meinem "Schicksal". Ich hätte gerne gewusst, wie MEIN bzw. UNSER Kind ausgesehen und geworden wäre. Die Tatsache, dass ich das niemals erleben DARF, lässt mich teilweise schon jetzt eine alte und verbitterte Frau werden. Wie mit allen unangenehmen Dingen meiner Mitbewohnerin im Hirn MS werde ich aber lernen damit umzugehen und den Frieden damit machen. Ab und zu traurig sein soll aber erlaubt sein ;-)

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