Lunea Blog

26.04.2011   Christian Rusterholz

Nach der Tour ist vor der Tour

Nach der Tour 2010 von Dänemark nach Zürich war die Luft in Sachen Sport raus. Sofa und Fernsehsport waren angesagt. Die Kalorienaufnahme war noch auf dem Niveau der Tour, nur fehlte jegliche sportliche Aktivität, um die Kalorien zu verbrennen. Die Retourkutsche bekam ich in den folgenden Monaten zu spüren. Mein Gangbild verschlechterte sich zunehmend. Wenn ich mich mal wieder zusammenraufte, um etwas Sport zu treiben, fehlten oft die Motivation und die Kondition sowieso.
Im Oktober kam es dann noch härter. Bei meinem schwachen Bein wurden die Schmerzen immer heftiger. Die Wade war geschwollen, aber das ignorierte ich. An einem Freitag Abend wurde es Sabine zuviel und sie fuhr mich freundlich aber bestimmt in die Notfallaufnahme, Diagnose Thrombose. Mit Blutverdünnung und Stützstrümpfen ging es bald besser. Ja nun bin ich also auch im Klub der „Stützstrümpfler“. Meine Nachbarn tragen auch welche. Meine Nachbarn sind 79 und 80.

Nach der Tour ist vor der Tour und so haben es Sabine und Thomas schon geahnt, es darf wieder gerollt werden für den guten Zweck. Die Inline Skater haben ihre rollenden Schuhe an den Nagel gehängt. Ob der noch lebendigen Erinnerungen an schmerzende Fussgelenke, Schotterpisten und ungeahnte Steigungen oder aus Sympathie zu mir, konnte nie ganz geklärt werden. Jedenfalls startet im Mai das gesamte Team auf Rennvelos. Das Motto ist diesmal, mehr Grenzen zu überschreiten.

Wir starten am 15. Mai in Amsterdam und fahren durch acht Länder, bis wir schliesslich nach zwei Wochen in Zürich eintreffen. Auf unserer Tour besuchen wir Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz.
Die Idee war geboren, das neue Ziel zum darauf hin arbeiten gefunden. Doch wie werde ich wieder fit? Gute Vorsätze zum Jahreswechsel? Tönt zwar gut, aber hält nicht lange an. Zum Glück hatte ich, wie im letzen Jahr, meine dreiwöchige Reha in Valens. Das Ärzte- und Therapeutenteam hatte mir ein sehr anstrengendes, aber umfassendes und wirkungsvolles Programm zusammengestellt. Nach diesen drei Wochen war eine Basis gelegt. Jetzt war es wichtig, auf dieser Grundlage weiter aufzubauen. Sabine, meine Lebenspartnerin, schaffte es immer wieder, mich zu langen Ausfahrten auf dem Fahrrad zu motivieren. Erst mal auf dem Rad rollte ich tadellos. Die Klickpedale helfen mir, mein schwaches rechtes Bein zu führen.
Doch nach jeder Ausfahrt folgt unweigerlich die Ankunft zu Hause. Nun kommt der für mich schwierigste Teil. Meist bin ich so müde und ausgelaugt, dass ich die Kraft nicht mehr habe, sauber abzusteigen. Elegant möchte ich gar nicht vom Rad steigen. Nicht auf die Nase zu fallen wäre schon super. Aber ich mache Fortschritte, und mit jeder Ausfahrt geht es besser. Noch bin ich nicht in der Lage, die langen Tagesetappen, immerhin bis 150 km durchzustehen, aber ich habe ja noch einen Monat. Bis dann muss (nein besser will) ich fit sein.

An der diesjährigen Tour haben wir die Übernachtungen im Voraus geplant, und die Hotels sind reserviert. Mit viel Zeitaufwand haben wir die Städte und Dörfer, in denen wir übernachten werden, im Vorfeld kontaktiert und von unserem Vorhaben berichtet. Viele konnten wir von unserer Idee begeistern. Die Orte mobilisieren die Bevölkerung, einige Bürgermeister begleiten uns, und da und dort ist die Presse an einem Interview interessiert. Wir möchten in die Presse, weil wir so möglichst viele Menschen erreichen und ihnen Mut machen, geradeaus zu schauen, auch wenn das Leben die eine oder andere Kurve eingebaut hat. Die Erwartungen der Städte und der Sponsoren spornen uns an und motivieren uns. Am letzten Tag begleitet uns sogar Franko Marvulli. Er ist Silbermedaillengewinner an den Olympischen Spielen und 30-facher 6-Tage-Rennen Sieger.

Das ganze Team freut sich auf die bevorstehende Tour. Begleiten Sie uns virtuell auf der Homepage www.grenzen-ueberschreiten.ch Lesen Sie, wie es uns auf den Etappen ergeht auf der täglich aktualisierten Homepage oder begleiten Sie uns ein Stück des Wegs. Legen Sie die Ausreden auf die Seite! Wir zählen auf Sie!

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