Lunea Blog

03.10.2012   Niggi Schubert

Zeit für Sinnvolles

Was macht ein MS-Kranker, wenn er nicht mehr für alle verständlich sprechen, nicht mehr gut sehen und sich nicht mehr nach Belieben bewegen kann - so wie meine Wenigkeit? Da ich immer gerne las, dies heute leider nicht mehr kann, beschloss ich ein Buch zu schreiben. Dadurch kenne ich wenigstens ein Buch in- und auswendig.
Lesen, beziehungsweise Schreiben öffnet ganz neue Welten. Als ich den Roman „Licht über verkrüppelten Palmen“ schrieb, „musste“ ich nach Kuba reisen und bat einen meiner Brüder, mich zu begleiten. Für die Würze im Roman sorgte unter anderem der Hinweis einer Freundin auf die „Santeria“, eine afroamerikanische Hauptreligion, oder in anderen Worten gesagt, die kubanische Version eines Gemischs aus Katholizismus, afrikanischer Religion und magischem Denken. So wurde die MS von dunklen Mächten und bösen Geistern umschrieben. Als Grundgerüst des Romans diente mein eigenes Leben.
Nun schreibe ich an einem neuen Roman und wählte als Ausgangspunkt die russische Anarchistin Vera Figner. Damit das Buch auch geschichtlich Interessierte lesen können ohne sich an den Kopf greifen zu müssen, erkläre ich es noch anders. Ich schrieb die Geschichte aus Sicht der Kammerzofe von Vera Figner.
Vera Figner studierte im Jahr 1872 Medizin in Zürich. Aus diesem Grund recherchierte ich unter anderem auch darüber, wie es wohl im vorletzten Jahrhundert in Zürich gewesen sein mag. Ich versuchte mir vorzustellen, wie das Schweizer Gesundheitswesen und die revolutionären medizinischen Entdeckungen jener Zeit auf die Kammerzofe gewirkt haben müssen. Für mich als MS-Kranken ideal: So habe ich keine Zeit, selbst an der MS herum zu grübeln.

Kommentare (0)  Permalink

LiveSearch

Lunea Blog

Themen

Archive

Experten Blog

Themen

Archive