Lunea Blog

04.07.2014
von Christian Rusterholz

Tourbericht von Markus Seifert

Markus Seifert, der neu im Team von «Grenzen überschreiten» ist, war zum ersten Mal auf der Tour mit von der Partie und erinnert sich gerne an die fast 600 zurückgelegten Kilometer zurück.

«Es sind etwa 500 bis 600 Kilometer innerhalb von acht Tagen. Diese Angaben zu einer Velotour hätten mich noch vor fünf Jahren nicht wirklich erschreckt. Doch als mir Christian Rusterholz bei der Reha davon erzählte, war ich doch etwas beeindruckt. Denn im Januar 2014 fühlte ich mich alles andere als fit dafür. Die MS, die sich vor 18 Jahren ungebeten und polternd in mein Leben eingemischt hatte, schränkte mich auch in sportlicher Hinsicht seit Herbst 2013 zunehmend ein. Irgendwie liess mich aber Christians Engagement für sein Projekt „Grenzen überschreiten“ www.grenzen-ueberschreiten.ch nicht mehr los.
Einige Wochen und viele Therapiestunden in Valens später, reifte mein Entschluss an der Tour 2014 teilzunehmen. In der Reha hatte ich nämlich grosse Fortschritte gemacht. Die Zusage war zugleich Verpflichtung, das Training weiterzuführen und zu intensivieren. Die fünf Etappen auf Schweizer Boden (Oerlikon-Frauenfeld-St. Margrethen-Bad Ragaz-Schmerikon-Zürich) waren ohne Vorbereitung kaum zu schaffen.
Als es dann am 28. Mai (Welt-MS-Tag) soweit war, startete ich trotzdem mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen. Der medizinische Check in Valens stimmte mich zwar zuversichtlich, aber ich wusste nicht, wie mein Körper auf längere Belastungen reagieren würde.
Nun, nach Abschluss der Tour bin ich stolz auf meine Leistung und die meiner neun Mitstreiter des Kernteams. Alle fünf Tagesetappen in der Schweiz gemeistert, Wind und Regen getrotzt. Alleine hätte ich wohl aufgegeben. Im Team habe ich Grenzen zwar nicht überschritten, aber hinausgeschoben. Dies alles unter „strengem“ Blick der mitfahrenden Sportwissenschaftlerin aus Valens. Sie hat uns MS-Patienten konsequent auf den Puls geschaut und sich nach unserem Befinden erkundigt. Und wenn es trainingstechnisch nötig war, hat sie uns auch mal mit „sanftem Druck“ und Charme für eine Zusatzrunde über einen kleinen Pass motiviert. Der Anstieg auf den Kerenzerberg war happig, das Gefühl auf der Passhöhe unbeschreiblich gut. Die Auswertung der medizinischen Daten wird das bestätigen, was wir Teilnehmer schon wissen: Sport ist (die beste) Medizin, auch für MS-Betroffene!
Der herzliche Empfang im Zielgelände – nach einer Fahrt durch Zürich mit vielen Freunden, Angehörigen und Unterstützern – war mehr als bloss Entschädigung für die Anstrengungen. Wahrscheinlich war ich nicht der einzige mit einer Gänsehaut.
Was bleibt sind gute Erinnerungen, neue Freunde und grosser Respekt vor der Leistung der einzelnen Teilnehmer. Und das Gefühl etwas für einen guten Zweck geschafft zu haben: Nichts Grosse und nichts Aussergewöhnliches – aber auch die längste Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Vielleicht bringt 2015 eine Fortsetzung...»

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04.07.2014
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten 2014

Nach der Tour 2013 war ich leider stark erkältet und meine gute Form war schnell dahin. Ein Infekt der Stirnhöhle hat mich sehr zurückgeworfen. Somit war ich nach der Tour sogar auf einem tieferen konditionellen Niveau als vor der Tour. Der Kraftzuwachs war zwar spürbar, aber ich fühlte mich sehr matt.
Im Januar ging es dann wieder nach Valens und ich war vier Wochen intensiv am Training. Ich spürte, dass die Kraft und die Beweglichkeit von Tag zu Tag zurück kehrten. Im Speisesaal und in den Trainingsräumen kam ich mit anderen MS Patienten in Kontakt. Ich erzählte von unserer Tour und sie waren so sehr begeistert, dass sie an einer Teilnahme interessiert waren. Während der Zeit in Valens entschloss ich mich, die Basistherapie zu unterbrechen. Die Anfälligkeit auf Infekte hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verstärkt und jede Grippe hinterliess grosse Beeinträchtigungen.
Zurück von der Reha versuchte ich die gute Verfassung zu halten. Infolge der Witterung (oder war es nur eine willkommene Ausrede?) fiel die eine oder andere Velotour ins Wasser. Mit nur etwa 400 km Vorbereitung in den Beinen, starteten wir an der Auffahrt zur Rundfahrt in Frankfurt und dann an den folgenden Tagen bis nach Heidelberg. Klugerweise hatte ich mich fürs E-Bike entschieden. Die Tagesetappen von über 80 km wären zu viel gewesen.
Ich brauchte beim Aufsteigen aufs Gefährt jeweils Hilfe. Das Vorgehen spielte sich schnell ein. Velo hinlegen, mit Hilfe über den Rahmen steigen, Velo aufstellen, linkes Bein selbst auf die Pedalen und dann mit Hilfe das rechte Bein auf die Pedale und in die Klick rein. Zum Fahren ging es dann sehr gut; nur beim Stoppen brauchte ich immer einen Ampelpfosten oder einen Laternenpfahl, da ich nicht aus den Klickpedalen kam. Das funktionierte die ganze Tour ohne grössere Probleme, verursachte aber manchmal eine gewisse Hektik…
Während der Tour hielten wir in Heidelberg, Frauenfeld und Bad Ragaz jeweils eine Vortragsreihe zum Thema „MS und Bewegung“. Die Vortragsabende waren immer gut besucht, inhaltlich sehr spannend und ein voller Erfolg.
In der Schweiz waren fünf Etappen geplant. Es ging von Tag zu Tag besser, aber ich entschied mich immer für das E-Bike. So konnte ich das Tempo in der Gruppe mithalten. Am letzten Tag gelang es mir dann ganz alleine aufs Velo zu steigen. Ein kleiner Triumph, den ich, wie auch die Zielankunft in Zürich, sehr genossen habe.
Das Thema Tour 2015 war ab Mitte der diesjährigen Rundfahrt ein Dauerthema! Sofern mich meine Mitfahrer auch nächstes Jahr auf irgendeine Art aufs Velo bringen, gibt es eine Neuauflage.
Ein riesiges Dankschön an alle Mitfahrer, die mir jeden Tag geholfen haben, die Etappen zu meistern, sei es beim Aufsteigen, in den Bergen, mit etwas Schieben oder einfach gut Zureden und motivieren. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft!
Route und Teilnehmer sind noch völlig offen. Ich freue auf die kommenden Herausforderungen…

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