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04.09.2013   Heiko

Multiple Sklerose – Aus der Sicht eines Angehörigen

Die Diagnose traf mich frontal und eiskalt. Was ist MS? Muskelschwund? Falsch gedacht! Da gerade ein Ärztekongress stattfand, war unser Arzt leider nicht verfügbar um uns mehr über die Diagnose MS zu erklären. Super. Was jetzt? Mir war es egal, es gibt so viele Ärzte, einer muss sich jetzt Zeit nehmen. Mein Job, Nebensache. Ich nehme mir Zeit für meine Freundin.

Dann endlich der Termin, 2 Tage nach der niederschmetternden Diagnose. Eine Allgemeinärztin erklärt uns die Krankheit Multiple Sklerose. Wir haben selbstverständlich den Fehler gemacht und im vornherein im Internet nachgelesen.

Erschreckend was man dort lesen muss. Da kann man echt nur Mitleid mit den Menschen haben. Die Ärztin hat uns ein wenig die Angst genommen. Internet meiden wir seitdem.

Wie macht es meine Freundin? Meiner Meinung nach sehr gut. Ich bin sehr stolz auf sie. Ein unheilbar kranker Mensch – trotzdem jeden Tag gut gelaunt und positiv eingestellt. Jammern gibt es nicht. Es gibt Tage an denen es ihr nicht so gut geht, dann versuche ich sie aufzufangen. Über ihre Krankheit zu sprechen, fällt ihr noch etwas schwer, aber auch das wird sie verbessern können.

Wie gehe ich damit um? Keine Ahnung! Ich versuche ihr jeden Wunsch zu erfüllen, sofern es mir möglich ist. Ich liebe sie mehr als alles andere und wünsche mir, dass es ihr trotz ihrer Krankheit gut geht. Anfangs habe ich sie mehrmals am Tag gefragt wie es ihr geht. Heute möchte ich sie einfach nicht mit meinen Sorgen nerven. Ich versuche in ihrem Gesicht, an ihrem Verhalten zu erkennen ob alles in „Ordnung“ ist. Grösstenteils gelingt es mir. Leider bin ich in letzter Zeit eher schlecht gelaunt und dies bekommt auch meine Freundin zu spüren, wenn auch unbeabsichtigt. Wenn ich es dann wieder mal selbst merke, habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Warum meine Laune schlecht ist, weiss ich leider selbst nicht. Ich bin gesund, habe eine Arbeit die Spass macht, habe eine tolle Partnerin an meiner Seite, mit der ich bis an unser Lebensende zusammenbleiben will und es fehlt uns an nichts. Warum jammere ich also?! Ich arbeite daran, ich gebe mir Mühe.

Ich habe mich noch NIE mit irgendwelchen Krankheiten beschäftigt. Warum auch? Mir egal, mich trifft es ja sowieso nicht. So denkt man zumindest bzw. man hofft es. Jetzt denke ich anders. Meine Sicht auf „Probleme“ hat sich geändert. Ich lebe jeden Tag anders als vorher. Plötzlich liebe ich die Natur, die Berge, den Frühling..... klingt bescheuert, aber es ist so. Ich geniesse meine Freundin anders als vorher. Wir können über alles sprechen, sie ist meine Partnerin und meine beste Freundin. Unsere Beziehung hat eine andere Dimension erreicht, sofern man das so bezeichnen kann. Noch nie hatte ich solche Gefühle für einen Menschen.

Was bringt die Zukunft? Keine Ahnung, aber wir werden es zusammen erleben, egal was passiert. Das ist meine Sicht.

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