Lunea Blog

27.01.2014
von Andrea

Diät

Die Wochen vor Weihnachten waren für mich sehr anstrengend. Ich hatte viel Arbeit, eine Steissbeinentzündung und war einfach etwas angeschlagen. Es schien so, als würden sich die Belastungen des gesamten Jahres sammeln und sich auf meinen Schultern niederlassen. Ich fühlte mich allgemein nicht so ganz fit, was wahrscheinlich, wie fast bei allen Menschen dazu führt, dass man etwas dünnhäutiger und weniger belastbar ist. Ich nervte mich ab vielem sehr viel schneller und war zügig in Rage.
Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich normalerweise eine taffe Persönlichkeit bin und einen schweren Rucksack tragen kann, ohne dass mir dieser von den Schultern fällt. So war ich doch sehr von mir selbst überrascht, als mein Nervenkostüm am Mittwoch vor Beginn der Weihnachtsferien plötzlich und unaufhaltsam riss, in einem Moment, welchen ich im Normalfall ohne Blessuren überstanden hätte. Ich konnte meine Nerven nicht mehr bändigen und brach in Tränen aus. Dieser Zustand liess sich meinerseits nicht mehr stoppen und ich ging von der Arbeit nach Hause und heulte dort unaufhaltsam weiter – ich war nicht im Stande das Weinen zu stoppen, ohne dass ich wirklich wusste was los und was wirklich der Grund für diesen Ausbruch war. Meine Mami hat mich dann aufgeklärt – ich hatte wohl einen kleinen Nervenzusammenbruch.
Mir war oder eher gesagt ist die ganze Situation unangenehm und ich komme mir irgendwie doof vor. Im Endeffekt war es wohl wieder einmal ein Zeichen meines Körpers der mir sagte, dass ich wohl nicht über alles bestimmen kann, und sich die mir selbst zugefügten Überlastungen irgendwann rächen werden. Und zwar so, dass man diese spontan und mit der ganzen Breitseite her zu spüren bekommt.
Wenn das Nervenkostüm zu klein ist reisst es oftmals unweigerlich – wie bei einem normalen Kleid. Nimmt man zu und will das eine Kleid, welches einem doch so gut gestanden hat – vor 5 Jahren – anprobieren und sich gnadenlos versucht reinzuzwängen, so kann es passieren, dass ein oder mehrere Nähte reissen. In diesem Falle ist wohl eine Diät angesagt – die Nähte lassen sich dann wieder schliessen und das Kleid passt wieder.

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16.01.2013
von Andrea

Aufgeben gibt’s nicht

Früher war es mir nicht so wichtig mich weiterzubilden. Ich war stets sehr zufrieden mit meinem Job, und ich hatte kein grosses Interesse daran «Karriere» zu machen. Mir gefiel es so wie es war und ich wollte den Stress mit Lernen und sich Durchkämpfen müssen, den andern überlassen ;-)

Tja, das war mal. Wobei, die Geschichte mit dem Durchkämpfen überlasse ich noch immer gerne den anderen, allerdings möchte ich heute etwas dazulernen und mich weiterbilden. Es handelt sich in meinem Falle um eine Weiterbildung, die ich durch meine Arbeit in der Kanzlei ins Auge gefasst habe und wahnsinnig gerne machen möchte. Jetzt werden vielleicht einige sagen: „Ja dann mach doch, wo liegt das Problem?“. Leider gibt es da gleich mehrere, allerdings gelten die nicht für gesunde Menschen oder dann nur teilweise.

Aufgrund meiner MS kann und darf ich nicht mehr als 100% arbeiten. Im Moment arbeite ich zwischen 70 und 80%, davon einen Teil von zu Hause aus. Wenn nun noch eine Weiterbildung hinzukommt, die wöchentlich acht Stunden Präsenzunterricht mit sich bringt, wird’s irgendwie schwierig.

Das würde bedeuten, dass ich mein Arbeitspensum in der Kanzlei auf ca. 40% reduzieren müsste, da ja auch noch gelernt werden muss. Aber ist der Arbeitgeber damit einverstanden?

Man muss allerdings bemerken, dass die Ausbildung nur sechs Monate dauert und die Zeit somit absehbar ist. Doch wie regle ich das mit den Finanzen? Sechs Monate lang nur noch die Hälfte zu verdienen, ist schlichtweg nicht möglich, da ich auch finanzielle Verpflichtungen habe.

Zudem frage ich mich häufig, ob ich die Schule auch wirklich packen werde – trotz MS? Die kleine Angst davor, dass mir die MS einen Strich durch die Rechnung ziehen könnte, ist stets im Hinterkopf. Alle diese Punkte zusammen lassen mich an meinen Fähigkeiten zweifeln und bewegen mich dazu, es doch lieber sein zulassen.

Doch genau in diesen Momenten finde ich NEIN! Ich werde dann ab und zu sauer und finde in meinem Wütend sein, dass doch wirklich viele Menschen in anderen Situationen vom Staat extrem unterstützt werden und was ist in meinem Fall? Wo ist meine Unterstützung?                                                                           
Nur weil ich MS habe, heisst das noch lange nicht, dass ich in meinem Leben keine beruflichen Ziele mehr habe. Ich will nicht an derselben Stelle stehen bleiben und mich einfach damit zufrieden geben. Ich möchte mein Hirn fördern und Neues dazulernen. Das Leben ist nicht vorbei, nur weil man MS hat – ich habe eher das Gefühl, dass die MS bei mir den Kampfgeist geweckt hat. Jetzt gilt es, diesen erwachten Kampfgeist in die richtige Bahn zu lenken und irgendwie eine Lösung zu finden. Aufgeben gibt’s nicht mehr ;-)

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14.03.2012
von Niggi Schubert

Akt der Befreiung oder Papierverschleiss?

Schreiben ist eine ausgezeichnete Therapie. Hat dies nicht jeder von uns schon mal gehört? Weshalb eigentlich? Schon Wilhelm Busch wusste doch:

Das Schreiben, das Schreiben,
Soll man nicht übertreiben,
Das kostet bloss Papier.

Was also soll am Schreiben so heilsam sein?

Als MS betroffener Schriftsteller habe ich mir diese Frage natürlich schon verschiedentlich gestellt. Besonders als ich an meinem neusten Roman «Licht über verkrüppelten Palmen» arbeitete. Der junge Architekturstudent Peter wird darin mit der MS-Diagnose konfrontiert und muss seine bisherigen Lebenspläne überdenken. Er resigniert aber nicht, sondern kämpft um seine Freiheit und Selbstverwirklichung, auch wenn er der Krankheit letztlich nicht ausweichen kann.

Stellt sich natürlich die Frage: Wie viel Niggi steckt in Peter?

Ein Theatermann gab mir zu diesem Thema einen wertvollen Gedankenanstoss: Er riet mir, mich als Autor von meiner Hauptfigur zu distanzieren. Damit agiert der Protagonist nicht mehr als mein Alter Ego, sondern als eigenständige Persönlichkeit mit einem eigenen Krankheitsverlauf. Das Spannende daran: Anders als in meinem wirklichen Leben als MS-Betroffener kann ich die Krankheit meines Protagonisten steuern, um so die Handlung voranzutreiben. Beim Schreiben bestimme ich über die Multiple Sklerose und nicht sie über mich.

Es gibt Tage, an denen fehlt mir die Kraft zum Schreiben. Dann verfasse ich kürzere Texte, etwa ein Gedicht. Wichtig ist, dass ich meine Gedanken und Geschichten festhalten kann. Denn selbst der kostenbewusste Wilhelm Busch hat wohl die Erfahrung gemacht: Schreiben kann einem eine Freiheit vermitteln, die unbezahlbar ist. Aus diesem Grund möchte ich in Zukunft irgendwann eine Schreibwerkstatt für MS-Betroffene anbieten. Auch andere sollen erfahren, wie es sich anfühlt, wenigstens schreibenderweise über die MS zu bestimmen und so eine hilfreiche Distanz zu schaffen.

Auszug aus Niggi Schuberts Roman

  

     Niklaus Schubert
     Licht über verkrüppelten Palmen
     Roman. Mit einem Nachwort von Jürg Kesselring
     Verlag Johannes Petri 2011.
     300 Seiten. Gebunden.
     CHF 27.—
     ISBN 978-3-03784-010-8

 

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01.02.2012
von Andrea

Was bist denn du für ein Sonnenschein?!

Früher hab ich mich eher rausgehalten. Die Betonung liegt auf EHER – ich war schon immer eine direkte Person und äusserte dies, wenn mich etwas wurmte.
Heute... man könnte mich wohl fast frech nennen, schäm. Aber ich kann unterdessen nicht mehr so gut „uf d’Schnurre hocke“, wie ich es früher getan habe. So ist es für mich kein Problem, eine unfreundliche Verkäuferin, einen Flegel von Versicherungsberater, einen verbitterten Passkontrollbeamten oder gar einen überheblichen Herrn in einer höheren (wirklich höheren) Position zu fragen „haben Sie schlechte Laune?“. Meist sind die Angesprochenen sehr verdutzt und sprachlos – ändern dann urplötzlich ihr Verhalten und merken selbst, dass das Gegenüber (ich) nichts für die schlechte Laune kann. Diese Reaktion finde ich sehr gut, denn jeder hat mal schlechte Laune und realisiert nicht wie sehr sie/er dies nach aussen trägt.
Dann gibt es diejenigen, die sich entschuldigen und bei denen man gleich beim ersten Wort merkt, dass es ihnen „schnurzpipegal“ ist, wie sie auf andere wirkten und sie nur die Zeit bei der Arbeit so rasch wie möglich rumbringen will.

Die Herrlichsten sind allerdings diejenigen, welche noch unfreundlicher werden (meist in höheren Positionen vertreten) und versuchen, einem auf eine Stufe zu degradieren, welche wirklich nicht löblich ist. Solche Menschen tun mir im Nachhinein immer sehr leid. Leid dafür, dass sie offensichtlich ein unglückliches Leben leben, nichts daran ändern, weil sie Angst vor Neuem haben und dies willentlich an anderen auslassen, um sich wenigstens für 5 Minuten mächtig und wichtig zu fühlen. Ihnen kann ich nur empfehlen: Seid mutig! Glücklichsein ist so schön und die Frage „was bist denn du für ein Sonnenschein?" kann ohne Ironie gestellt werden.

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