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31.01.2011   Barbara Kieser

Kraft geben, um der Therapie treu zu bleiben

Wenn sich MS-Betroffene mit der Therapie auseinander setzen müssen, stossen sie schnell einmal an Grenzen – seien dies Grenzen physischer oder psychischer Art. Zuerst einmal hat man die Diagnose zu akzeptieren und dann einer Therapie zu folgen. Dies löst vielerlei Gefühle aus: Hoffnung, Angst und wohl auch Wut oder Mutlosigkeit. Vielleicht stellt sich rasch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ein, vielleicht aber auch anfangs erst einmal eine Verschlechterung, ganz abgesehen von den eventuell zu ertragenden Nebenwirkungen. Man sucht nach dem Sinn der Therapie und zweifelt, ob die Therapie die Hoffnung auf Besserung stützt. Und ganz ehrlich, die Wahl, ob eine Therapie in Frage kommt oder nicht, ist nicht gross. Schliesslich handelt es sich bei der Multiplen Sklerose immer noch um eine unheilbare Krankheit. Es liegt quasi auf der Hand, dass MS-Betroffene sich mit einer Therapie abzufinden haben. Von welchem Standpunkt sie das auch betrachten, vom medizinischen, dem sozialen oder vom eigenen Standpunkt aus, eine Therapie ist unumgänglich.

Damit umzugehen ist sicher nicht einfach. Hier beginnt meine Aufgabe des Empowerment. Bezeichnet werden damit Strategien und Massnahmen, die geeignet sind, den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von beispielsweise kranken Menschen zu erhöhen. Es soll ermöglicht werden, Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmend zu vertreten und zu gestalten. Sowohl Selbstbemächtigung, als auch die professionelle Unterstützung, Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen, sollen dabei angesprochen werden. Im Deutschen wird Empowerment gelegentlich auch als Selbstkompetenz bezeichnet. Warum man diese Begriffe aus dem Englischen in den Praxisalltag übernommen hat? Sicher mit der Absicht, die beste Therapie mit dem grössten Nutzen für die Betroffenen zu erreichen.

So begleite ich gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal die Betroffenen auf einem langen Weg, der verschieden gepflastert ist. Den Betroffenen begegnen wir in den verschiedensten Situationen: Beim Therapiebeginn, während der Therapie, bei einem Therapiewechsel oder einem Abbruch, gegebenenfalls auch ganz ohne Therapie. Hier ist es von Bedeutung, dass die Betroffenen in dieser schwierigen Situation nicht alleine gelassen werden und die grösstmögliche Unterstützung erfahren, damit sie der Therapie treu bleiben. Ich als Therapeutin sollte natürlich nicht die Einzige sein, gefordert sind sowohl die Angehörigen und Freunde als auch Fachpersonen, welche Hand in Hand arbeiten müssen, damit der MS-Betroffene die maximale Unterstützung erfährt.

Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, dass die Betroffenen wie auch ihr familiäres Umfeld gut informiert sind. Die MS-betroffene Person sollte das nötige Fachwissen über ihre Krankheit und die erforderlichen Medikamente erhalten. Ich für meinen Teil spreche die Betroffenen direkt an. Was sind ihre Erwartungen an die therapeutische Begleitung und wie kann ich am besten helfen, damit sie die Therapie einhalten können? Nur gezieltes Nachfragen hilft, eine persönlich abgestimmte Betreuung aufzugleisen. In regelmässigen Abständen diese Vereinbarung zu prüfen ist unabdingbar, um sowohl auf neue Situationen reagieren zu können, als auch eine gute Beziehung zu pflegen.

Ich bin überzeugt, eine gute zwischenmenschliche Beziehung ist das A und O, um optimal auf die Betroffenen eingehen zu können. Aus einem regelmässigen Kontakt entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis einer optimalen Betreuung. Ob Therapietreue oder Therapieabbruch – für mich ist am Wichtigsten, meine MS-Patientinnen und Patienten sowohl in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen, als auch sie zu motivieren.

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