Lunea Blog

14.03.2012
von Niggi Schubert

Akt der Befreiung oder Papierverschleiss?

Schreiben ist eine ausgezeichnete Therapie. Hat dies nicht jeder von uns schon mal gehört? Weshalb eigentlich? Schon Wilhelm Busch wusste doch:

Das Schreiben, das Schreiben,
Soll man nicht übertreiben,
Das kostet bloss Papier.

Was also soll am Schreiben so heilsam sein?

Als MS betroffener Schriftsteller habe ich mir diese Frage natürlich schon verschiedentlich gestellt. Besonders als ich an meinem neusten Roman «Licht über verkrüppelten Palmen» arbeitete. Der junge Architekturstudent Peter wird darin mit der MS-Diagnose konfrontiert und muss seine bisherigen Lebenspläne überdenken. Er resigniert aber nicht, sondern kämpft um seine Freiheit und Selbstverwirklichung, auch wenn er der Krankheit letztlich nicht ausweichen kann.

Stellt sich natürlich die Frage: Wie viel Niggi steckt in Peter?

Ein Theatermann gab mir zu diesem Thema einen wertvollen Gedankenanstoss: Er riet mir, mich als Autor von meiner Hauptfigur zu distanzieren. Damit agiert der Protagonist nicht mehr als mein Alter Ego, sondern als eigenständige Persönlichkeit mit einem eigenen Krankheitsverlauf. Das Spannende daran: Anders als in meinem wirklichen Leben als MS-Betroffener kann ich die Krankheit meines Protagonisten steuern, um so die Handlung voranzutreiben. Beim Schreiben bestimme ich über die Multiple Sklerose und nicht sie über mich.

Es gibt Tage, an denen fehlt mir die Kraft zum Schreiben. Dann verfasse ich kürzere Texte, etwa ein Gedicht. Wichtig ist, dass ich meine Gedanken und Geschichten festhalten kann. Denn selbst der kostenbewusste Wilhelm Busch hat wohl die Erfahrung gemacht: Schreiben kann einem eine Freiheit vermitteln, die unbezahlbar ist. Aus diesem Grund möchte ich in Zukunft irgendwann eine Schreibwerkstatt für MS-Betroffene anbieten. Auch andere sollen erfahren, wie es sich anfühlt, wenigstens schreibenderweise über die MS zu bestimmen und so eine hilfreiche Distanz zu schaffen.

Auszug aus Niggi Schuberts Roman

  

     Niklaus Schubert
     Licht über verkrüppelten Palmen
     Roman. Mit einem Nachwort von Jürg Kesselring
     Verlag Johannes Petri 2011.
     300 Seiten. Gebunden.
     CHF 27.—
     ISBN 978-3-03784-010-8

 

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16.08.2011
von Andrea

Eine «Lebenswünscheliste» darf man beliebig verlängern, kürzen und abändern

Ich glaube, dieses Wort existiert so gar nicht, aber das macht nichts. Es passt.
Mein Schatz und ich haben uns darüber unterhalten, dass es doch für jeden irgendwelche Wünsche im Leben gibt, die nicht umsetzbar sind...aber da gibt es auch welche, die grundsätzlich umsetzbar wären, wir uns diese aber aufgrund unserer Vernunft oder Angst vor der Umsetzung nicht erfüllen. Genau diese Wünsche werde ich mir erfüllen...vielleicht mit Respekt, aber ohne Angst.
Einen grossen Wunsch habe ich bereits umgesetzt. Wir haben seit 4 Wochen eine Mopshündin. Sie heisst Emma und hält mich auf Trab - im positiven Sinne. Die täglichen Spaziergänge tun uns beiden uuu gut und die Spastik in den Beinen hat sich dadurch extrem gebessert. Klar, ab und zu braucht es auch Nerven, aber die habe ich ;-)).

Auf meiner Lebenswünscheliste stehen noch weitere Sachen:

  • Salsa (Tanz) lernen
  • In einem Musical mitwirken
  • Wieder nach Sanibel Island zu fliegen
  • Eine Fotoausstellung machen können
  • Einen guten Verlauf meiner MS
  • Auf ewig glücklich sein.

Die Liste scheint relativ kurz, aber für mich sind diese Dinge, ob umsetzbar oder auch nicht, aktuell am vordergründigsten. Es kommen bestimmt noch einige Dinge dazu oder ich hab grad welche vergessen;-), aber eine Lebenswünscheliste darf man beliebig verlängern, kürzen und abändern.

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