Lunea Blog

15.08.2012
von Andrea

Ja, was denn jetzt?!

Hmm, ich schneide nun ein ziemlich heikles Thema an und werde wohl auch bei einigen von euch MSlern anecken – trotzdem, es brennt mir auf der Seele...

Früher wollte ich unbedingt Kinder. In der Zwischenzeit war dies nicht mehr soooo zwingend und als mein Freund und ich uns entschieden haben es einfach mal laufen zu lassen (nicht mehr zu verhüten), wurde mir die Diagnose MS mitgeteilt. Für uns war ziemlich schnell klar, dass eine Familie gründen für uns nicht mehr in Frage kommt. Mein Freund wollte noch nie Kinder was mir die Umstände leichter machten es auch zu akzeptieren. Unterdessen muss ich ehrlich sagen – es war die richtige Entscheidung. Für uns. Wir geniessen das Leben und haben gemerkt, dass wir wohl auch ohne die MS-Diagnose ohne Kinder hätten weiterleben wollen. Klar, werden nun viele sagen „ihr habt keine Ahnung weil ihr keine Kinder habt“ – korrekt, trotzdem stimmt es voll und ganz für uns.

Leider habe ich nun die Erfahrung gemacht, dass mir von einer ursprünglich guten Bekannten nicht mal mitgeteilt wurde, dass sie schwanger ist und hat mich gemieden. Die Aussage: ich wollte dich nicht verletzen. So ein Schmarren. Ausgegrenzt zu werden aufgrund einer falschen Annahme – tut sehr weh und ich habe mich irgendwie gefühlt, als wäre ich selbst daran schuld. Bin ich das auch? Hab ich irgendwann mal eine Aussage ihr gegenüber in den Raum gestellt, dass sie dies annehmen musste? Nein, hab ich nicht. Egal, ich bin ihr da nicht böse, allerdings kann ich es nicht ausstehen, wenn jemand für mich entscheidet.

Meine Haltung ist: die Menschen die Kinder haben möchten – wunderbar, wirklich und ernsthaft. Wir möchten keine und sind daher teilweise auch etwas genervt, wenn nur noch über „gelber Stuhl, Muttermilch, Brei, es kann sich jetzt selber drehen usw.“ gesprochen wird. Wir fragen uns dann manchmal „über was haben wir früher mit diesen Freunden stundenlang gesprochen?“. Es kann dann komischerweise auch kein Gesprächsfluss mehr entstehen. Weshalb dies so ist – keine Ahnung. So gehen Freundschaften auseinander ohne dass jemand Schuld daran hat und ein Streit zuvor entstand. Es ist meiner Meinung nach auch total normal, dass man sich zu Gleichgesinnten mehr hingezogen fühlt. Aber bitte – entscheidet nicht für diejenigen welche keine Kinder haben und grenzt sie aus. Die Zeit regelt die Entwicklungen in verschiedene Richtungen von selbst und so wird auch niemand dabei verletzt.

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11.03.2011
von Andrea

"Ihr Kinderwunsch müsste da schon krankhaft sein!"

Auf ein offenes und vielleicht ein etwas radikales Wort:
Jeder Hirni darf, und die meisten davon können, Kinder kriegen. Hirni, deshalb, weil es doch wirklich auch Menschen gibt, bei denen man leise in sich denkt "oha, du hättest das mit den Kindern besser gelassen", um den Kindern einen Gefallen zu tun. So, nun zähle ich uns mal nicht zu diesen Hirnis und habe meinen Neurologen mal gefragt, wie es denn ausschaut mit Kinder bekommen bezüglich meinen Medis. Hmm, vielleicht hätte ich das besser sein lassen. "Bei Ihrer MS sollten Sie die Medis auf keinen Fall absetzen. Es wäre ein grosses Risiko, einen heftigen Schub auszulösen, der sich vielleicht nicht mehr so gut zurückbildet, wie die bisherigen. Also, ihr Kinderwunsch müsste da schon krankhaft sein. Aber adoptieren können sie." WAMMM! Meine zweite Frage war dann "Also wäre ein Hund anschaffen schon besser?" Antwort: "Ja". Nochmals, WAMMM! Gut, wir haben uns erst kurz vor der Diagnose mal damit etwas beschäftigt, ob wir mal Kinder möchten, aber trotzdem. Wenn es einem dann so direkt gesagt wird...aua! Dass man das nicht falsch versteht, ich finde meinen Arzt wirklich super. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass er mir alles ohne Beschönigung sagt und mir immer direkt und sehr ehrlich die Situation an den Kopf knallt. Ich finds gut. Es entspricht meinem Naturell. Aber man hat doch ab und zu an gewissen Aussagen zu knabbern. Wie diese mit den Kindern. Früher wollte ich unbedingt Kinder und hab viel dafür getan, um den Wunsch umzusezten – ohne Erfolg. Man könnte sagen, Gott sei Dank hats damals nicht geklappt. Ich bin unterdessen geschieden und sehr glücklich in meiner Beziehung mit meinem Schatzi. Ich bin mir eigentlich auch sehr sicher, dass wir ohne Kinder ein schönes glückliches Leben haben werden. Aber ab und zu überkommt mich ein Gefühl der Trauer in Bezug auf Kinder. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man von sich aus entscheidet, keine Kidner zu kriegen, oder ob es einem von jemand anderen verboten. NEIN DU NICHT! Ich werde dann öfters mal etwas sentimental und hadere mit meinem "Schicksal". Ich hätte gerne gewusst, wie MEIN bzw. UNSER Kind ausgesehen und geworden wäre. Die Tatsache, dass ich das niemals erleben DARF, lässt mich teilweise schon jetzt eine alte und verbitterte Frau werden. Wie mit allen unangenehmen Dingen meiner Mitbewohnerin im Hirn MS werde ich aber lernen damit umzugehen und den Frieden damit machen. Ab und zu traurig sein soll aber erlaubt sein ;-)

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31.01.2011
von Nathalie

Kinderwunsch und MS, ein Lebenstraum?

Ich war 21, als die MS in mein Leben trat. Jung und voller Hoffnung stand ich mitten im Leben mit der Vorstellung, dass alles für mich möglich war. Durch die Diagnose hatte ich den Eindruck, beim Russischen Roulette verloren zu haben. Die Krankheit traf mich in der Blüte des Lebens auf grausame Art und Weise. Ich, eine junge, erwachsene Frau... war Betroffene wie viele andere auch... Nach einigen Monaten der Depression und der Fragen fühlte ich mich besser und beschloss, wieder fröhlich zu sein und dennoch normal zu leben.

Eines Tages begegnete ich dem Mann, den ich heiratete. Ganz selbstverständlich haben wir uns mit der Kinderfrage auseinandergesetzt. Viele Frauen haben den Wunsch, eine Familie zu gründen, ein Kind zu gebären, es zu lieben sowie mit aller Zärtlichkeit zu umsorgen. Auch ich wünschte Leben zu geben. Ich wollte dieses Glück nicht missen. Aber Eltern zu sein ist ein lebenslanges Engagement. Es ist die allergrösste Verantwortung, und ich muss eingestehen, das machte mir auch Angst.

Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Werde ich nach der Geburt meines Kindes einen Schub erleiden? Könnte mein Kind ebenfalls an der MS erkranken? Wird es mir möglich sein, für mein Kind zu sorgen?

Wer Antworten will, muss Fragen stellen. Darum habe ich meinen Neurologen befragt. Lange Zeit hatte er MS-betroffenen Frauen von einer Schwangerschaft abgeraten. Nach heutigen Erkenntnissen spricht aber nichts mehr gegen eine Schwangerschaft. Und die gute Nachricht: Eine Mehrheit der MS-betroffenen Frauen erleben eine normale, problemlose Schwangerschaft und gebären gesunde Babies.

Die Unvorhersehbarkeit der MS ist schwierig einzukalkulieren, das ist eine Tatsache! Aber sollten wir deshalb aufhören zu leben? Ich habe zwei wundervolle gesunde Kinder geboren. Ich kann für sie sorgen und sie aufziehen wie alle anderen Mütter auch. Glücklicherweise habe ich keinen Rückfall nach der Geburt meiner Kinder gehabt. Meine Tochter habe ich während sieben Monaten und meinen Sohn während drei Monaten gestillt. Nach dem Abstillen habe ich meine Behandlung ganz einfach wieder aufgenommen.

Kinder zu haben war ein Traum. Mein Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Meine Kinder sind die Sonne meines Lebens. Sie helfen mir, vorwärts zu gehen und meine Angst beiseite zu schieben. Ich mag folgendes Zitat: „Lasst den Traum Euer Leben verschlingen, so dass das Leben nicht Euren Traum verschlingt.“ Le Petit Prince von Antoine de St-Exupéry, dem französischen Humanisten und Piloten.

Einem Kind das Leben zu schenken oder nicht ist eine sehr persönliche Frage. Die MS kann diese Entscheidung noch erschweren. Ich hoffe, dass meine Lebensgeschichte Frauen hilft, sich zu entscheiden. Aber es ist auf jeden Fall wichtig, mit dem betreuenden Arzt darüber zu sprechen und ebenfalls mit seinem Lebenspartner, in einer offenen Art und Weise, ohne Tabus. Lassen Sie sich nicht von der MS Ihre Träume durchkreuzen!

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