Lunea Blog

04.07.2014
von Christian Rusterholz

Tourbericht von Markus Seifert

Markus Seifert, der neu im Team von «Grenzen überschreiten» ist, war zum ersten Mal auf der Tour mit von der Partie und erinnert sich gerne an die fast 600 zurückgelegten Kilometer zurück.

«Es sind etwa 500 bis 600 Kilometer innerhalb von acht Tagen. Diese Angaben zu einer Velotour hätten mich noch vor fünf Jahren nicht wirklich erschreckt. Doch als mir Christian Rusterholz bei der Reha davon erzählte, war ich doch etwas beeindruckt. Denn im Januar 2014 fühlte ich mich alles andere als fit dafür. Die MS, die sich vor 18 Jahren ungebeten und polternd in mein Leben eingemischt hatte, schränkte mich auch in sportlicher Hinsicht seit Herbst 2013 zunehmend ein. Irgendwie liess mich aber Christians Engagement für sein Projekt „Grenzen überschreiten“ www.grenzen-ueberschreiten.ch nicht mehr los.
Einige Wochen und viele Therapiestunden in Valens später, reifte mein Entschluss an der Tour 2014 teilzunehmen. In der Reha hatte ich nämlich grosse Fortschritte gemacht. Die Zusage war zugleich Verpflichtung, das Training weiterzuführen und zu intensivieren. Die fünf Etappen auf Schweizer Boden (Oerlikon-Frauenfeld-St. Margrethen-Bad Ragaz-Schmerikon-Zürich) waren ohne Vorbereitung kaum zu schaffen.
Als es dann am 28. Mai (Welt-MS-Tag) soweit war, startete ich trotzdem mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen. Der medizinische Check in Valens stimmte mich zwar zuversichtlich, aber ich wusste nicht, wie mein Körper auf längere Belastungen reagieren würde.
Nun, nach Abschluss der Tour bin ich stolz auf meine Leistung und die meiner neun Mitstreiter des Kernteams. Alle fünf Tagesetappen in der Schweiz gemeistert, Wind und Regen getrotzt. Alleine hätte ich wohl aufgegeben. Im Team habe ich Grenzen zwar nicht überschritten, aber hinausgeschoben. Dies alles unter „strengem“ Blick der mitfahrenden Sportwissenschaftlerin aus Valens. Sie hat uns MS-Patienten konsequent auf den Puls geschaut und sich nach unserem Befinden erkundigt. Und wenn es trainingstechnisch nötig war, hat sie uns auch mal mit „sanftem Druck“ und Charme für eine Zusatzrunde über einen kleinen Pass motiviert. Der Anstieg auf den Kerenzerberg war happig, das Gefühl auf der Passhöhe unbeschreiblich gut. Die Auswertung der medizinischen Daten wird das bestätigen, was wir Teilnehmer schon wissen: Sport ist (die beste) Medizin, auch für MS-Betroffene!
Der herzliche Empfang im Zielgelände – nach einer Fahrt durch Zürich mit vielen Freunden, Angehörigen und Unterstützern – war mehr als bloss Entschädigung für die Anstrengungen. Wahrscheinlich war ich nicht der einzige mit einer Gänsehaut.
Was bleibt sind gute Erinnerungen, neue Freunde und grosser Respekt vor der Leistung der einzelnen Teilnehmer. Und das Gefühl etwas für einen guten Zweck geschafft zu haben: Nichts Grosse und nichts Aussergewöhnliches – aber auch die längste Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. Vielleicht bringt 2015 eine Fortsetzung...»

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04.07.2014
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten 2014

Nach der Tour 2013 war ich leider stark erkältet und meine gute Form war schnell dahin. Ein Infekt der Stirnhöhle hat mich sehr zurückgeworfen. Somit war ich nach der Tour sogar auf einem tieferen konditionellen Niveau als vor der Tour. Der Kraftzuwachs war zwar spürbar, aber ich fühlte mich sehr matt.
Im Januar ging es dann wieder nach Valens und ich war vier Wochen intensiv am Training. Ich spürte, dass die Kraft und die Beweglichkeit von Tag zu Tag zurück kehrten. Im Speisesaal und in den Trainingsräumen kam ich mit anderen MS Patienten in Kontakt. Ich erzählte von unserer Tour und sie waren so sehr begeistert, dass sie an einer Teilnahme interessiert waren. Während der Zeit in Valens entschloss ich mich, die Basistherapie zu unterbrechen. Die Anfälligkeit auf Infekte hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verstärkt und jede Grippe hinterliess grosse Beeinträchtigungen.
Zurück von der Reha versuchte ich die gute Verfassung zu halten. Infolge der Witterung (oder war es nur eine willkommene Ausrede?) fiel die eine oder andere Velotour ins Wasser. Mit nur etwa 400 km Vorbereitung in den Beinen, starteten wir an der Auffahrt zur Rundfahrt in Frankfurt und dann an den folgenden Tagen bis nach Heidelberg. Klugerweise hatte ich mich fürs E-Bike entschieden. Die Tagesetappen von über 80 km wären zu viel gewesen.
Ich brauchte beim Aufsteigen aufs Gefährt jeweils Hilfe. Das Vorgehen spielte sich schnell ein. Velo hinlegen, mit Hilfe über den Rahmen steigen, Velo aufstellen, linkes Bein selbst auf die Pedalen und dann mit Hilfe das rechte Bein auf die Pedale und in die Klick rein. Zum Fahren ging es dann sehr gut; nur beim Stoppen brauchte ich immer einen Ampelpfosten oder einen Laternenpfahl, da ich nicht aus den Klickpedalen kam. Das funktionierte die ganze Tour ohne grössere Probleme, verursachte aber manchmal eine gewisse Hektik…
Während der Tour hielten wir in Heidelberg, Frauenfeld und Bad Ragaz jeweils eine Vortragsreihe zum Thema „MS und Bewegung“. Die Vortragsabende waren immer gut besucht, inhaltlich sehr spannend und ein voller Erfolg.
In der Schweiz waren fünf Etappen geplant. Es ging von Tag zu Tag besser, aber ich entschied mich immer für das E-Bike. So konnte ich das Tempo in der Gruppe mithalten. Am letzten Tag gelang es mir dann ganz alleine aufs Velo zu steigen. Ein kleiner Triumph, den ich, wie auch die Zielankunft in Zürich, sehr genossen habe.
Das Thema Tour 2015 war ab Mitte der diesjährigen Rundfahrt ein Dauerthema! Sofern mich meine Mitfahrer auch nächstes Jahr auf irgendeine Art aufs Velo bringen, gibt es eine Neuauflage.
Ein riesiges Dankschön an alle Mitfahrer, die mir jeden Tag geholfen haben, die Etappen zu meistern, sei es beim Aufsteigen, in den Bergen, mit etwas Schieben oder einfach gut Zureden und motivieren. Ohne euch hätte ich es nicht geschafft!
Route und Teilnehmer sind noch völlig offen. Ich freue auf die kommenden Herausforderungen…

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24.04.2013
von Christian Rusterholz

Wieder ist ein Jahr vorbei... und die Tour 2013 rückt näher

Nach den letztjährigen Touren (2010: Dänemark – Zürich, 2011: Amsterdam – Zürich, 2012: Frankfurt – Zürich) war sich das Team von «Grenzen überschreiten» einig, dass es auch im 2013 eine Fortsetzung geben wird. Schnell war unserem Kernteam klar, dass die Tour von 2013 wieder in Frankfurt am Main starten und traditionsgemäss am Pfingstsonntag in Zürich Wollishofen bei der KIBAG enden wird. Den Start haben wir bewusst so gewählt, um unsere treuen Freunde am Main in die Tour einbinden zu können. So bildet dann auch eine Stadtrundfahrt in Frankfurt den Startschuss für die diesjährige Tour.

Die darauf folgenden 5 Tage werden wir dem Rhein bis Offenburg folgen und als Novum mit der Bahn von Offenburg nach Bern übersetzen, wo es im Anschluss wieder mit Velo und Inlineskates durch das Schweizer Mittelland nach Zürich geht. Bei der KIBAG werden wir auf die überschrittenen Grenzen 2013 bei einem Apéro anstossen.

Wie schon im letzten Jahr fahren wir wiederum zugunsten der Stiftung «Kliniken Valens». Der gesamte Spendenerlös (siehe auch http://www.grenzen-überschreiten.ch/2013/Sponsoring.html) wird entsprechend der Statuten nur für MS-Patienten eingesetzt, deren Krankenkassen notwendige Therapien nicht übernehmen und die sich nicht in der finanziellen Lage befinden, diese aus eigener Tasche zu bezahlen.

Als absolutes Highlight der Tour 2013 werden an MS-Erkrankte Teilnehmer an einer, von den Kliniken Valens lancierten Studie teilnehmen. Darin soll aufgezeigt werden, wie sich eine körperliche Langzeitbelastung bei MS-Patienten auf deren körperliche Verfassung auswirkt. Vor, während und nach der Tour, werden von einem Sporttherapeuten Kraftmessungen und Leistungsdaten erfasst und ausgewertet. Wir sind alle auf die Resultate gespannt.

Doch wie ist es mir nach der letztjährigen Tour ergangen? Nach einer Woche Erholungspause, blieb ich - anders als in den vergangenen Jahren - aktiv und war oft auf dem Fahrrad anzutreffen, bis mich im Oktober ein kleiner Schub, bei dem sich mein Gangbild zunehmend verschlechterte, vom Fahrrad holte. Wenn ich mich doch zusammenraufte, um Sport zu treiben, fehlten mir oft Motivation und Kondition.

Auf eine Empfehlung hin begab ich mich auf eine Badekur in Banjia Trepca, Serbien. 12 Tage Baden und intensive Physiotherapie liessen mich erholt und mit neuen Kräften im November zurückkehren. Leider war die Nachhaltigkeit nur geringfügig. Eine starke Grippe an Weihnachten und ein weiterer Schub beförderten mich ins Krankenhaus und in den Rollstuhl. Um letzteren wieder los zu werden, schliesslich gebe ich so schnell nicht auf, trainierte ich wie ein Besessener und die ersten Erfolge zeichneten sich ab. So konnte ich dann auch meine Reha in Valens im Januar 2013 ohne Rollstuhl antreten. Die dreiwöchige Kur war hart. Das Ärzte- und Therapeutenteam hatte mir ein sehr anstrengendes aber umfassendes und wirkungsvolles Programm zusammengestellt. Dies beinhaltete auch eine Studie an der Kletterwand und ich genoss das Erfolgserlebnis wieder einmal den Gipfel erreicht zu haben, auch wenn es nur 7 Meter waren.

Nach der Reha war die Basis gelegt und seit dem nutze ich diese Grundlage um weiter aufzubauen und die letzten Wochen effizient zu nutzen.
So rolle ich nun – sitze ich einmal auf dem Fahrrad – tadellos. Wenn nur das Auf- und Absteigen nicht wäre. Die Klickpedale helfen mir mein schwaches rechtes Bein zu führen. So muss ich halt mit Links etwas mehr leisten. Nach den Ausfahrten, sofern dieser lange Winter eine Ausfahrt erlaubt, bin ich jeweils dermassen erschöpft, dass mir die Kraft fehlt elegant vom Rad zu steigen. Ich meistere jedoch die Herausforderung nicht auf die Nase zu fallen mit jeder Ausfahrt besser.

Die Vorfreude ist gross und wir freuen uns auf alle Begleiter, sei es auf dem Fahrrad oder den Inlineskates, auf der gesamten Tour oder nur auf einer oder mehreren Etappen. Jeder ist herzlich Willkommen! Auf unserer Homepage www.grenzen-überschreiten.ch, die während der Tour täglich aktualisiert wird, finden Sie detaillierte Informationen zur Tour, den Etappen und es bietet sich Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit uns virtuell zu begleiten.

Dabei sein ist alles! Gemeinsam gegen MS!

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10.05.2012
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten

Unsere Spenden-Tour im letzten Jahr war ein voller Erfolg. Auf fast 1800 Kilometern lief alles super und die Spenden zu Gunsten der MS Gesellschaft Schweiz flossen in Strömen. Nur bei mir persönlich lief es nicht ganz so fliessend, eher stolpernd, im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf ein Hoch folgt oft ein Tief – oder umgekehrt
Nach der Tour habe ich mich pudelwohl gefühlt. Ich lief gut und somit lief alles um mich herum gut. Ich meisterte meinen stressigen Job und hatte noch genug Zeit für andere Dinge wie Unternehmungen mit Freunden.

August - Spitalzeit
Dann kam der August und ich musst ins Spital. Die MS meldete sich mit Pauken und Trompeten zurück und wollte mit allen Mitteln meine Aufmerksamkeit. Ich war beinahe ins Spital gekrochen. Nur mit grösster Anstrengung konnte ich mich auf den Beinen halten. Es kribbelte in meinem Bauch und eine geschätzte Million Ameisen machte sich an meinen Beinen zu schaffen und liessen sich einfach nicht abschütteln. Das war schlimmer als jede Erinnerung an Ameisenhaufen in der Kindheit. Das Zauberwort hiess Kortison. Eigentlich ist es ja gleichzeitig ein Fluch denn ich ging auf wie ein kleiner Hefekloss. Im Spital hatte ich einen Fensterplatz und konnte, da ich leicht unterbeschäftigt war, mit „meiner MS“ diskutieren. Wir sind zum Schluss gekommen, dass ich nicht kampflos aufgeben werde. Mein Laptop hat mich dann von weiteren Diskussionen abgehalten und ich habe mich sinnvollerem, nämlich meiner Arbeit gewidmet. Die Schwestern haben zwar den Kopf geschüttelt, aber ich denke ich war ihnen so lieber als wenn ich mich selbst bedauern würde. Nach einer Woche wurde ich nach Hause entlassen. Die Krankenkasse sah keinen Sinn in einer anschliessenden Reha. Nach genau drei Tagen zu Hause war ich wieder in der Notaufnahme. Nein, es lag nicht an meinem Umfeld zu Hause, dort fühle ich mich im Allgemeinen sehr wohl. Diagnose, neuer Schub oder immer noch derselbe Schub, wie auch immer. Wieder hiess es Kortison und Fensterplatz. Diesmal habe ich gar nicht erst überlegt sondern den Laptop direkt mitgenommen um mir Diskussionen mit der MS zu ersparen. Nach einer Woche wurde ich wieder in die Arbeitswelt entlassen. Einen Reha-Aufenthalte hat meine Krankenkasse auch diesmal abgelehnt. Wozu auch, der arbeitet ja noch im Spital...

Kraftlos, aber nicht mutlos
So habe ich mich von den zwei Schüben nur schlecht wieder erholt. Mein Gangbild war ein Bild des Grauens und die Beine weich wie Pudding. Wer bis jetzt noch nicht wusste, dass ich MS habe, der hat es jetzt ganz sicher gesehen. Ganz langsam habe ich mich wieder halbwegs erholt. Die Arbeit ist eine gute Medizin für mich. Aber ich brauchte nun ängere Erholungsphasen. Um sechs Uhr klingelt jeweils Montags bis Freitags mein Wecker. Dann geht’s los zur Arbeit. Gegen 18 Uhr bin ich zurück. Dann steht meist schon das Nachtessen bereit und gegen 20 Uhr schlafe ich auf dem Sofa ein, um gegen 21 Uhr gehe ich Richtung Bett. Da bleibt wenig Zeit für Kollegen, Freizeitaktivitäten oder Krafttraining für die verlorenen Muskeln. Manchmal schaffte ich es noch auf das Spinning-Rad und an den Wochenenden auch mal auf mein Rennrad.

Weihnachtszeit
Dann im Dezember die Weihnachtsferien. Das ist doch der ideale Zeitpunkt um sich wieder mal bei mir zu melden, dachte die MS. Ich wurde im Spital am Empfang mit Namen begrüsst, bevor ich mich vorstellen konnte. Diesmal hatten die Ärzte Mitleid mit mir und entschieden, dass, weil Weihnachten oder dank dem Hundeblick meiner Freundin, die Infusionen für dieses Mal ambulant verabreicht werden konnten. Da ich zu dieser Zeit wieder ziemlich wackelig auf den Beinen war, übernahm meine Partnerin den Transport und fuhr mich jeweils zum Spital, dann las sie alle Klatschhefte in der Cafeteria und schleppte mich nach einer Stunde wieder heim, wo ich mein festes Lager im Wohnzimmer installiert hatte. Laptop, Fernseher, Decke und eine Klingel für Wünsche, alles in Reichweite. So langsam nahm mein Gesicht dank dem Kortison wieder die Form eines Smilys an, kreisrund. Meine Beine wollten nicht so wie ich und als dann ein Arbeitskollege im Januar meinte, Christian Du musst ja über Weihnachten unglaublich gut gegessen haben so rund wie Du geworden bist, hatte ich nur ein müdes Lächeln für ihn übrig. Diesmal habe ich mich schlecht wieder erholt. Meine Beine haben meinen Willen und die Meldung vom Kopf, ihr sollt laufen, ignoriert.

Notbremse Reha
Gezahlte Reha, Wunschdenken. So habe ich mich im Januar auf eigene Faust für eine Reha angemeldet und diese dann auch selbst bezahlt. Die drei Wochen in Valens haben mir so gut getan! Ich konnte enorm viel Energie und Kraft tanken. So habe ich dann auch den diesjährigen Autofhar-Test, den ich jährlich absolvieren muss, mit Bravour bestanden.

50% Leistungssteigerung
Ich konnte gegenüber dem Eintrittstest meine Leistungsfähigkeit bei den Tests zum Abschluss der Reha um über 50% steigern, in nur drei Wochen! Mit neuer Energie konnte ich die Klinik wieder verlassen. Eine Investition, die sich in jedem Fall gelohnt hat. Nach dem Aufenthalt habe ich wieder begonnen die nächste Spenden-Tour zu planen. Mit Initiative und Einzahlungsscheinen gerüstet, bin ich nun auf Sponsorensuche. Diesmal sammeln wir für MS Betroffene, denen wie mir selbst, Reha Aufenthalte verweigert werden und die sich diese Aufenthalte nicht selbst leisten können.

Leistungsniveau halten und verbessern
Mein Fazit. Es ist ein Kampf gegen die MS. Jeden Tag aufs Neue. Wenn morgens der Wecker klingelt, war die schlaflose Nacht wieder viel zu kurz. Ich nehme neuerdings ab und zu den oberen Wohnungsausgang, statt dem in der unteren Etage. Dann spare ich mir die Stufen, denn es gibt Tage, da wird die Treppe zur Herausforderung. Ich bin, sofern es das Wetter und meine Gesundheit erlauben, wieder am trainieren für die neue Tour von Frankfurt nach Zürich. Diesmal haben wir die Etappen gekürzt und sind statt 120 noch 60 km am Tag unterwegs. Das ist noch die Hälfte der Strecke vom letzten Jahr. Aber ich bin stolz, mich wieder hochgekämpft zu haben und wir werden wieder unterwegs sein. Ausserdem habe ich an dieser Tour ein Elektrorad der Firma Flyer dabei. Für alle Fälle.

Liebe MS, Du hast dir den Falschen ausgesucht. Ich gebe noch lange nicht auf. Mein Motto heisst „Grenzen-überschreiten“ und das jeden Tag.

Den ebenfalls betroffenen Lesern alles Gute.
Christian Rusterholz

www.grenzen-ueberschreiten.ch

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26.04.2011
von Christian Rusterholz

Nach der Tour ist vor der Tour

Nach der Tour 2010 von Dänemark nach Zürich war die Luft in Sachen Sport raus. Sofa und Fernsehsport waren angesagt. Die Kalorienaufnahme war noch auf dem Niveau der Tour, nur fehlte jegliche sportliche Aktivität, um die Kalorien zu verbrennen. Die Retourkutsche bekam ich in den folgenden Monaten zu spüren. Mein Gangbild verschlechterte sich zunehmend. Wenn ich mich mal wieder zusammenraufte, um etwas Sport zu treiben, fehlten oft die Motivation und die Kondition sowieso.
Im Oktober kam es dann noch härter. Bei meinem schwachen Bein wurden die Schmerzen immer heftiger. Die Wade war geschwollen, aber das ignorierte ich. An einem Freitag Abend wurde es Sabine zuviel und sie fuhr mich freundlich aber bestimmt in die Notfallaufnahme, Diagnose Thrombose. Mit Blutverdünnung und Stützstrümpfen ging es bald besser. Ja nun bin ich also auch im Klub der „Stützstrümpfler“. Meine Nachbarn tragen auch welche. Meine Nachbarn sind 79 und 80.

Nach der Tour ist vor der Tour und so haben es Sabine und Thomas schon geahnt, es darf wieder gerollt werden für den guten Zweck. Die Inline Skater haben ihre rollenden Schuhe an den Nagel gehängt. Ob der noch lebendigen Erinnerungen an schmerzende Fussgelenke, Schotterpisten und ungeahnte Steigungen oder aus Sympathie zu mir, konnte nie ganz geklärt werden. Jedenfalls startet im Mai das gesamte Team auf Rennvelos. Das Motto ist diesmal, mehr Grenzen zu überschreiten.

Wir starten am 15. Mai in Amsterdam und fahren durch acht Länder, bis wir schliesslich nach zwei Wochen in Zürich eintreffen. Auf unserer Tour besuchen wir Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz.
Die Idee war geboren, das neue Ziel zum darauf hin arbeiten gefunden. Doch wie werde ich wieder fit? Gute Vorsätze zum Jahreswechsel? Tönt zwar gut, aber hält nicht lange an. Zum Glück hatte ich, wie im letzen Jahr, meine dreiwöchige Reha in Valens. Das Ärzte- und Therapeutenteam hatte mir ein sehr anstrengendes, aber umfassendes und wirkungsvolles Programm zusammengestellt. Nach diesen drei Wochen war eine Basis gelegt. Jetzt war es wichtig, auf dieser Grundlage weiter aufzubauen. Sabine, meine Lebenspartnerin, schaffte es immer wieder, mich zu langen Ausfahrten auf dem Fahrrad zu motivieren. Erst mal auf dem Rad rollte ich tadellos. Die Klickpedale helfen mir, mein schwaches rechtes Bein zu führen.
Doch nach jeder Ausfahrt folgt unweigerlich die Ankunft zu Hause. Nun kommt der für mich schwierigste Teil. Meist bin ich so müde und ausgelaugt, dass ich die Kraft nicht mehr habe, sauber abzusteigen. Elegant möchte ich gar nicht vom Rad steigen. Nicht auf die Nase zu fallen wäre schon super. Aber ich mache Fortschritte, und mit jeder Ausfahrt geht es besser. Noch bin ich nicht in der Lage, die langen Tagesetappen, immerhin bis 150 km durchzustehen, aber ich habe ja noch einen Monat. Bis dann muss (nein besser will) ich fit sein.

An der diesjährigen Tour haben wir die Übernachtungen im Voraus geplant, und die Hotels sind reserviert. Mit viel Zeitaufwand haben wir die Städte und Dörfer, in denen wir übernachten werden, im Vorfeld kontaktiert und von unserem Vorhaben berichtet. Viele konnten wir von unserer Idee begeistern. Die Orte mobilisieren die Bevölkerung, einige Bürgermeister begleiten uns, und da und dort ist die Presse an einem Interview interessiert. Wir möchten in die Presse, weil wir so möglichst viele Menschen erreichen und ihnen Mut machen, geradeaus zu schauen, auch wenn das Leben die eine oder andere Kurve eingebaut hat. Die Erwartungen der Städte und der Sponsoren spornen uns an und motivieren uns. Am letzten Tag begleitet uns sogar Franko Marvulli. Er ist Silbermedaillengewinner an den Olympischen Spielen und 30-facher 6-Tage-Rennen Sieger.

Das ganze Team freut sich auf die bevorstehende Tour. Begleiten Sie uns virtuell auf der Homepage www.grenzen-ueberschreiten.ch Lesen Sie, wie es uns auf den Etappen ergeht auf der täglich aktualisierten Homepage oder begleiten Sie uns ein Stück des Wegs. Legen Sie die Ausreden auf die Seite! Wir zählen auf Sie!

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21.02.2011
von Ramona

Ferienbericht Neuseeland – Thailand – Dubai; Ein Bericht über unsere 8-wöchige Reise

Erwartungsvoll und mit grosser Freude starteten mein Freund und ich zu unserer lang ersehnten Reise. Wir waren kaum nervös und hatten auch keine Bedenken, dass irgendetwas schief gehen könnte. Koffer packen ist keines meiner Hobbies, doch vorneweg, ich hatte doch zuviel eingepackt. Unsere Koffer wogen etwa 22 kg. Weniger Kilos tun es auch, so hat man weniger Ballast, den man mit sich herumtragen muss.
Die Medikamente kamen natürlich ins Handgepäck. An den verschiedenen Flughäfen hatte ich keine Probleme. Ca. 3 Monate vor meiner Abreise habe ich auf den elektronischen Autoinjektor gewechselt. Der Grund war, dass ich dann eine Ampulle für eine Woche habe und nicht 3 Fertigspritzen und somit ein bisschen Platz sparen konnte.
Der Flug nach Neuseeland dauerte ca. 24 Stunden. Es war ein anstrengender Flug, aber durchaus zu überleben. Das einzige was blieb war ein Jetlag, ansonsten aber hatte ich keine Beschwerden.
In Auckland hatten wir 3 tolle Wochen. Wir gingen zur Schule, hatten unser Apartment und haben schnell wieder einen Rhythmus gefunden. Wir gingen oft joggen, probierten die vielfältige Küche aus, schauten und staunten. Eines späten Abends sind wir sogar einen Halbmarathon gelaufen, nachdem wir uns beim Abendessen überschätzt haben. Eigentlich achte ich darauf, dass ich nicht vom einen Extrem ins andere gerate, aber mein Freund verleitet mich oft dazu. ☺ . Aber es ist alles gut gegangen.
Nach diesen 3 Wochen freuten wir uns auf die Natur und hatten das Stadtleben langsam satt. So holten wir unseren Campervan ab und fuhren los. Die Arbeitsteilung war so, dass mein Freund fuhr (Achtung Linksverkehr) und ich die Karten las. In Auckland bin ich schon mal gescheitert. Wir fanden kaum aus der Stadt raus. ☺
Auf der Nordinsel konnten wir nur noch 11 Tage bleiben, da wir die Fähre schon im Voraus gebucht hatten. Wir waren an wunderschönen Orten wie Russel, Rotorua, Taupo oder die Hahai Beach, wo mich jetzt Sehnsucht packt, wenn ich daran denke.
Mit unserem Camper hiess es Platz sparen, umbauen und Ordnung halten. Es war manchmal ein wenig umständlich, aber es hat uns beide nicht gestört. Man musste sich für diese Sachen einfach mehr Zeit nehmen. On the road hatten wir eine aufregende Zeit, hatten es uns toll eingerichtet und entdeckten unvergessliche Orte.
Nach 4 Wochen Camperleben, konnten wir uns zum Glück noch auf eine Woche Badeferien in Thailand freuen. Wir waren froh, das noch vor uns zu haben. Die Reise bis zum Ziel war jedoch äusserst anstrengend. Die Kurzfassung: 14 Stunden Flugzeit von Christchurch nach Bangkok. Ankunft mitten in der Nacht. 8 Stunden auf das Gepäck lauernd und auf den nächsten Flug wartend am Flughafen. Dann 1.5 Stunden Flug nach Krabi. Von Krabi zuerst mit dem Bus, dann mit dem Schiff und zuletzt noch mit dem Taxi nach Koh Lanta. Die Schiffstour allein dauerte nochmals 2 Stunden. Wir sind dann aber glücklich in einem wunderschönen Hotel angekommen. Wir genossen es, 7 Tage am gleichen Ort zu sein. Natürlich wurde es uns auch in diesem Hotel nicht langweilig: Ich machte erste Schwimmversuche im Kraulen. Wir liefen ins Dörfchen, badeten, joggten, spielten und assen sehr gut. Es war sehr heiss auf Koh Lanta, aber irgendwie habe ich die Hitze gut ertragen und wunderte mich sogar übers Joggen. Normalerweise gehe ich bei warmem Wetter nur ungern joggen. Auch in Neuseeland war das Wetter sehr optimal. Wenn die Sonne schien, wurden zwar unsere Nasen innert Kürze zu Rudolfen (Rudolph the Red-Nosed Reindeer), aber die Temperaturen waren angenehm und z. T. war es auch sehr windig.
In Dubai hatten wir unseren letzen, kurzen Stopp. Wir bewegten uns hauptsächlich mit der Metro und zu Fuss. Der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zum Hotel brachte, hatte uns übers Ohr gehauen. So mieden wir die Taxifahrer, was dann aber fast zu unserem Verhängnis wurde, denn wir waren so weit gelaufen, dass unsere Bewegungsapparate fast nicht mehr mitmachten. Da wir über Nacht flogen und ich eigentlich hätte spritzen sollen, habe ich trotzdem diese Dosis einmal ausgelassen. Am nächsten Tag war ich zu müde und war froh, die Medikamente einmal ausgelassen zu haben. Was einem natürlich beim nächsten Mal nicht zugute kommt, da ja die Nebenwirkungen wieder stärker werden. Mein Körper merkt, wenn er das Medikament nicht in gewohnten Abständen bekommt. Also bei mir Montag, Mittwoch, Freitag. Ich habe dann Kopfweh oder kurze Taubheitsgefühle auf der Haut. Ich finde das sehr ergreifend, wie abhängig der Körper vom Medikament ist.
Mein Fazit: Diese Reise war Balsam für die Seele. Als ich in Thailand an der Bar unseren letzten, frisch gemachten Fruchtjuice trank und auf das Meer blickte, war ich so erfüllt von allen Eindrücken und irgendwie allwissend. Ich finde, alle sollten sich ein paar Scheine zur Seite legen und diese für das Reisen ausgeben. Obwohl es anstrengend war, hat es mir sehr gut getan. Es ist hoffnungsvoll und beruhigend, überall auf der Welt so nette, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen zu treffen. Wir freuten uns in der Ferne auf das Leben, das wir zu Hause haben, und uns wurde deutlich, dass wir uns sehr glücklich schätzen können. Dazu muss ich noch sagen, dass mein Freund der beste Reisepartner ist, denn ich mir vorstellen kann. Wir konnten unsere Reise ohne Krawall geniessen. Und ausserdem habe ich mich gegen Schluss, zu einer guten Kartenleserin entwickelt. ☺

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10.06.2010
von Christian Rusterholz

Während und nach der Tour

Die (Tor)tour ist vorbei. Gerne berichte ich über die vergangenen 17 Tage der Fahrt und die ersten Tage danach. Auf der Fahrt nach Dänemark ging es mir körperlich nicht so, wie ich es mir gewünscht habe. Ich hatte Mühe, sobald ich mehr als 100 Meter am Stück gehen musste. Das machte mir doch etwas Angst. Wie wird sich das auswirken, wenn ich physisch an meine Grenzen stossen werde? Dann der Start in Dänemark. Nach 30 Kilometern die erste Pause und der erste Schreckmoment: Ich verlor das Gleichgewicht als wir etwas assen und wollte mich mit einem Schritt nach vorne auffangen. Doch ich konnte das rechte Bein nicht genug schnell anheben und schon lag ich auf der Strasse. Dieser Vorfall wiederholte sich am Nachmittag erneut. Meine Partnerin versuchte es mit Humor zu verpacken und mich zu ermutigen. Nach dem Motto, wir dachten Du fällst vom Velo und nicht in den Pausen um. Am Abend war ich sehr müde, aber auch glücklich, denn ich hatte die ersten 110 Kilometer gemeinsam mit den drei Inlineskatern absolviert. Das Tempo war nicht so hoch, da die Skater ihre Kräfte wohlweisslich gut einteilen mussten und mit dem Rückenwind ging es sehr einfach.

Der nächste und übernächste Tag gingen gut vorbei. An der Nordseeküste ist es wirklich flach. Die Inlineskater klagten immer öfter über Schmerzen in den Fussgelenken, denn sie müssen das ganze Körpergewicht über die Gelenke ausbalancieren. Mir ging es erstaunlicherweise von Tag zu Tag besser. Ich konnte wieder grössere Strecken zu Fuss und ohne Beeinträchtigung zurücklegen, und als dann am vierten Tag die Windrichtung kehrte, fuhr ich sogar öfters an der Spitze der Gruppe als Windschattenspender für die Skater. In den nicht wenigen «Bergetappen», die folgten und bei denen bis zu 1200 Höhenmeter überwunden werden mussten, fuhr ich als «Leithammel» an der Spitze des Trosses und in den steilen Abfahrten mit bis zu 11% Gefälle bremste ich die Inlineskater die Berge runter. Es war ein gutes Gefühl. Normalerweise brauche ich die Hilfe meiner Partnerin, sei dies beim Tragen von schweren Koffern und Taschen oder wenn ich aus der Badewanne steigen möchte. Jetzt war es plötzlich umgekehrt. Meine Hilfe wurde benötigt. Das tat so gut!

Je mehr die Inliner an ihre Grenzen kamen, desto stärker wurde ich. Als dann nur noch Sabine und ich unterwegs waren (Thomas musste nach Brüssel an eine Sitzung und Jan hatte Schmerzen am Schienbein) zeigte sich einmal mehr, wie wichtig es ist, als Team zusammenzustehen. Alleine hätte keiner von uns beiden die «Königsetappe» mit vielen Höhenmetern, unglaublich schlechtem Belag und Dauerregen geschafft. Wir haben die Tour zusammen gestartet und gaben uns die Kraft, die Tour auch gemeinsam zu beenden. Während der Tour war ich es, der Sabine Mut zusprach. Sie zweifelte manchmal, ob sie es schaffen könnte. Aber ich zweifelte nie an ihr und das motivierte sie immer wieder aufs Neue. So wie sie mir schon so oft den Krampf nachts in den Beinen löste, so selbstverständlich habe ich ihr die Füsse massiert und ihr Essen ans Bett gebracht, wenn sie zu müde war, um an den Nachtessen teilzunehmen.

Thomas kam nach zwei Tagen aus Brüssel zurück und schloss sich uns wieder an. Jan fuhr ein paar Tage nur die halbe Distanz und erholte sich gegen Ende der Tour sehr gut. So konnten wir nach 17 Tagen und 1730 Kilometern in Zürich zu viert einfahren. Eigentlich zu sechst, denn zwei Polizeimotorräder eskortierten uns quer durch die Stadt Zürich. Ein Erlebnis, welches jeder von uns nie mehr vergessen wird. Einfach genial das Gefühl – unbeschreiblich frei und mit ganz viel Zuversicht. Viele unserer Sponsoren, Familie und Freunde erwarteten uns und es gab ein ausgelassenes Fest. Voller Stolz konnten wir der MS Gesellschaft einen Scheck über 31'000 CHF und 2000 EUR überreichen. Als dann die Anspannung nachliess, kam sie wieder, die grosse Müdigkeit. Eigentlich hätte ich jetzt Ferien nötig, aber die Arbeit ruft. Ich hoffe, die körperlichen Verbesserungen halten lange an. Es zeigte sich wieder, dass Sport bei mir sehr positive Auswirkungen hat. Ich mache jetzt ein paar Tage Pause und werde dann mein Sportprogramm wieder aufnehmen. Vielleicht mache ich nächstes Jahr wieder eine Fahrradtour. Vielleicht nicht ganz so lang, aber wer weiss. Ich muss mal mit meiner Partnerin reden...

Fotos der Ankunft finden Sie hier.

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05.05.2010
von Nathalie

Sport ist gut fürs Hirn

Sport ist gesund – auch fürs Gehirn. Ruchika Shaurya Prakash, Assistenzprofessorin für Psychologie an der Ohio State University1 leitete die Studie, die es nun bestätigt: Sport schützt das Gehirn von MS-Betroffenen. Die Studienteilnehmer mussten sich diversen physischen und kognitiven Tests unterziehen. Dabei zeigte sich, dass die sportlichen Personen Informationen schneller verarbeiten. Im Klartext heisst das: Sie weisen bessere Leistungen in den Bereichen Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis, Erinnerung und Argumentation auf.

Dieses Resultat spiegelt sich auch in den MRT-Bildern der entsprechenden Personen: Die sportlich Aktiven verfügen über eine grössere Masse an grauer Substanz (welche die Nerven-Zellkörper enthält). Gleichzeitig ist bei ihnen die Schädigung der weissen Materie (welche die Fortsätze der Nervenzellen enthält) weniger stark ausgeprägt. Dazu Prakash: «Wir haben bemerkt, dass Sport eine schützende Wirkung auf diejenigen Gehirnpartien ausübt, welche von MS am meisten betroffen sind. Betroffene, die einen Sport ausüben, weisen weniger Schädigungen auf, als Patienten, die sich sportlich nicht betätigen.»

Allgemein gilt: Wer sich in seinem Alltag allzu häuslich eingerichtet hat, erhöht das Risiko für diverse Beschwerden wie Übergewicht, Diabetes, zu hoher Cholesterinwert, Erkrankungen der Herzkranzgefässe etc. Bewegung ist ein wesentlicher Aspekt, wenn es um die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden geht. Je aktiver man ist, umso fitter und glücklicher fühlt man sich im Alltag. Vielleicht haben Sie das auch schon bemerkt? Zudem verbessert Sport das Selbstvertrauen: Ein Ziel zu erreichen oder sich einer Herausforderung zu stellen, trägt zur Wertschätzung sich selbst gegenüber bei.

Die Botschaft dürfte inzwischen wohl rübergekommen sein: Treiben Sie Sport! Auch wenn es bloss 15 Minuten am Tag sind. Aber Achtung: Es geht nicht darum, sich kopflos in irgendetwas zu stürzen. Es ist entscheidend, eine Sportart und eine Intensität zu wählen, die den eigenen Kapazitäten entsprechen. Wenn Sie bisher gar keine sportlichen Aktivitäten ausgeübt haben, ist es wohl das Beste, Ihren Arzt zu konsultieren, bevor Sie damit beginnen. Allerdings sollten Sie für sportliche Aktivitäten die heissesten Tageszeiten meiden - siehe dazu auch die Lunea Tipps.

Wenn Sie einige Grundsätze beachten, kann Sport ein echtes Plus an Lebensqualität bedeuten und sekundären Komplikationen vorbeugen. Lesen Sie zu diesem Thema doch die Rubrik Bewegung und Sport.

Der Frühling ist da: Nutzen Sie die Gelegenheit, um neue Vorsätze zu fassen –
und auch auszuführen. Tschüss!

1 Die Studie, die zusammen mit R. Motl und A. Kramer von der Universität Illinois sowie mit E. Snook von der Universität Massachusetts durchgeführt wurde, erscheint online in der Zeitschrift Brain Research und wird demnächst in einer gedruckten Version publiziert.

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16.04.2010
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten

In meinem Leben habe ich immer viel Sport getrieben und war ständig unterwegs mit Freunden. Im Sommer 2003 bekam ich die Diagnose «Multiple Sklerose». Nach dem ersten Schub ging es mir körperlich bald wieder gut und die Beeinträchtigungen waren zum Glück sehr gering. Ich hatte nur immer das Gefühl als wären meine Socken unter dem Fuss zusammengerutscht. Ich zog sicher 100 Mal am Tag meine Socken hoch um die vermeintlichen Falten aus den Socken zu ziehen.

Durch meine Lebenspartnerin kam ich damals zum Inline-Skaten. Der Sport gab mir Bestätigung. Wir nahmen an den Swiss Inline Cup Rennen teil, waren an Rundfahrten im deutschen Hessen, mehrmals in Florida an einem Inline-Skating Event und am 111 km langen Rennen auf Skates rund um St. Gallen. Als Höhepunkt meiner Karriere auf Rollen nahm ich mit meinem Team drei Mal am 24 Stundenrennen in LeMans teil. Alles ging gut bis zum Sommer 2008. Ich hatte keinen Schub, sondern eine kontinuierliche, schleichende  Verschlechterung. Bei langen Ausfahrten auf den Inline-Skates konnte ich plötzlich das Gleichgewicht nicht mehr halten und ich wurde für mich und die anderen Fahrer zu einem Sicherheitsrisiko. Ich versuchte meinen Kopf durchzusetzen und meinte, wenn ich mit genug Willen gegen die MS ankämpfe, kann ich fahren. Schon in der ersten Runde ging nichts mehr. Der Kopf wollte, nur die Beine fuhren unkoordiniert und unkontrolliert auf die Abfahrt zu. Ein sehr unangenehmes Gefühl bei 50 Stundenkilometern. Irgendwie schaffte ich es mit vielen Minuten Verspätung ins Ziel. Eine plötzliche Leere ergriff mich. Früher oder später hätte ich als Realist mit so einem Vorfall rechnen müssen, aber nicht wollen. Zum Glück waren wir als Team in LeMans und es zeigte sich wie wichtig es ist, Freunde um sich zu haben. Ohne zu zögern sprang ein mitgereister Gast als Ersatzfahrer ein und ein anderes Teammitglied fuhr Doppelablösungen. Ich wurde kurzerhand zum Betreuer umfunktioniert und wurde gebraucht. Ich hatte nur wenig Zeit um Nachzudenken und das war gut so. Ich hatte sofort wieder eine Funktion und war wichtig für das Umfeld.

Nach LeMans bin ich nun auf dem Fahrrad anzutreffen. Mit den Klickpedalen ist das rechte Bein, meine Schwachstelle, gut geführt und ich kann immer noch grosse Distanzen fahren. So begleitete ich meine Partnerin und andere Skater die letzten zwei Jahre auf dem Fahrrad, statt den Inline-Skates. So manches Mal konnte ich meine Partnerin mit dem Rad über Kopfsteinpflaster ziehen. Wenn die Rollen der Skates nur noch rumpeln, ist es gut, ein Fahrrad als Zugpferd dabei zu haben.

Unser Vorhaben
Aber nun zu unserem Vorhaben, Grenzen zu überqueren. Ideen für solche Unternehmen entstehen oft spontan: Es war im letzten Sommer bei uns zu Hause auf der Terrasse. Jan, ein guter Bekannter aus der Frankfurter Inline-Szene, war zu Besuch. Er schwärmte: «Ich würde gerne mal mit den Skates durch Deutschland fahren.» Meine spontane Antwort: «Dabei begleite ich dich auf dem Rad.» Das war der Moment, als Sabine in der Küche oder im Keller verschwand. Sie wollte mit der Aktion eigentlich nichts zu tun haben. Sie war vor einigen Jahren bereits von Berlin, Paris und Wien jeweils ins Wallis geskatet. Ihre Bemerkung: «Ihr wisst ja noch nicht, auf was ihr euch da einlasst!» Na, aber ein Skaterherz schlägt halt doch höher. Die Strapazen rückten bald einmal in den Hintergrund und die Freude auf die Tour, die Vorbereitungen und das Teamerlebnis liessen Sabine schliesslich nicht kalt und sie war dabei. Thomas, ein weiterer guter Freund in Zürich wohnhaft, war ebenfalls ohne grosse Überzeugungskraft dabei. Jans Vater wurde als Chauffeur engagiert und wird das Begleitfahrzeug fahren. In der zweiten Woche wird Caroline, eine Arbeitskollegin zu uns stossen.

Für einen guten Zweck
Im Laufe der Vorbereitung kam uns die Idee das Ganze als eine Sponsorenfahrt für einen guten Zweck aufzuziehen. Der Zweck war schnell gefunden: Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft. Reisen, Erlebtes mit Freunden teilen, das möchten wir denjenigen Menschen ermöglichen, die nicht so viel Glück mit dem Krankheitsverlauf haben wie ich. Menschen, die gerne wieder einmal aus dem Alltag ausbrechen möchten, diese Menschen möchten wir unterstützen. Das Geld, das gesammelt wird, kommt vollumfänglich der Schweizer MS Gesellschaft zugute – zweckgebunden für Reisen und Ausflüge, für einen kleinen Ausbruch aus dem Alltag. Wir Tourteilnehmer zahlen die anfallenden Kosten an der Tour wie Hotel, Essen und so weiter alles aus der eigenen Tasche. Jeder Franken, den wir sammeln, geht an die MS Gesellschaft. Die Resonanz der angefragten Sponsoren war überwältigend. Schon bald konnten wir das erste angestrebte Spendenziel revidieren.

Das Projekt nimmt Fahrt auf
So langsam machte unsere Idee die Runde. Freunde, Arbeitskollegen, die Familie, sie alle wissen von unserem abenteuerlichen Vorhaben. Sie alle motivieren uns und viele von ihnen unterstützen die Idee auch mit einer Spende. Mit dieser Tour möchte ich mir auch beweisen, dass man auch mit einem Handicap noch Grosses vollbringen kann. Zusammen als Gruppe von guten Freunden die Strecke nicht nur abspulen und  absolvieren, sondern auch geniessen und selbstverständlich viel erleben und für immer im Herzen bewahren. Nur als Team wird es uns möglich sein und wir werden uns gegenseitig jeden Tag motivieren und trotzdem werden wir unterwegs immer wieder an unsere Grenzen stossen. Das sind die Umstände welche mich motivieren. Für mich als MS Betroffener ist Bewegung ein wichtiger Therapieteil. Durch viel Sport kann ich die Mobilität bewahren und unsere Tour verlangt mir ein diszipliniertes Training ab. Ich bin viel auf dem Rad, im Fitnessstudio, achte auf meine Ernährung und schlafe viel.

Ganz wichtig ist es, ein Ziel vor Augen zu haben. Nicht nur bei diesem Vorhaben, auch danach. Auf ein Ziel hinzuarbeiten, nicht verbissen aber eben zielgerichtet. Das ganze Projekt «Grenzen überschreiten» entwickelt in mir sehr viel Energie, es beflügelt mich regelrecht. Die vielen positiven Reaktionen freuen mich, bauen mich auf. Und genau diese Bestätigung braucht es nach der Diagnose MS. In diesem Sinne: Ich hab die MS und nicht die MS mich!

Es freut mich, wenn Sie einen Blick auf unsere Homepage

www.grenzen-ueberschreiten.ch
werfen und unsere Tour ab dem 13. Mai 2010 verfolgen. Täglich wird die Homepage mit Berichten und Fotos ergänzt. Vielleicht motivieren sie uns mit einem Gästebucheintrag oder einem Sponsorbeitrag?

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